Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Arnold Schwarzenegger (Bild: APA)
Williams-Hinrichtung
Kritik an Schwarzenegger aus alter Heimat
Zum Teil scharfe Kritik kommt aus der Steiermark, der Heimat des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger, an dessen Ablehnung des Gnadengesuchs für Stanley "Tookie" Williams.
Flecker: Herkunft vergessen
SPÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter Kurt Flecker sagte, dass Schwarzenegger anscheinend seine Herkunft vergessen habe. Nur so lasse sich die Gewissenlosigkeit erklären, mit der Schwarzenegger das Gnadengesuch des mehrfachen Nobelpreiskandidaten Williams abgelehnt habe.
Der ehemalige Steirer Schwarzenegger habe damit den letzten Respekt verspielt, der ihm von seinem ehemaligen Heimatland entgegengebracht worden ist, so Flecker.
Kröpfl: Umbenennung des Stadions
SPÖ-Landtagsklubobmann Walter Kröpfl hält die Umbenennung des Grazer Arnold-Schwarzenegger-Stadions in Jochen-Rindt-Arena für überlegenswerter denn je.

Drexler: Grausamkeit
Und auch ÖVP-Klubobmann Christopher Drexler geht auf Distanz. Bei allem Respekt vor den Vereinigten Staaten und dem Bundesstaat Kalifornien sei festzustellen, dass jede Hinrichtung eine grausame Verletzung der Menschenrechte darstellt.

Zitz: Abseits der Menschenrechte
Für die grüne Landtagsfraktion meinte Menschenrechtssprecherin Edith Zitz, Schwarzeneggers Verhalten sei "bedauerlich".
Diese Entscheidung in einer Zeit, wo einige Länder, in denen es die Todesstrafe noch gebe - etwa Usbekistan und Mexiko -, sich mit der Abschaffung beschäftigten, bestätige, dass sich Schwarzenegger "außerhalb der Menschenrechtsgesellschaft" bewege.
KPÖ: Ende des Schwarzenegger-Kults
KPÖ-Landessprecher Franz-Stephan Parteder sagte, er hoffe, dass diese Hinrichtung jene zum Umdenken bewegt, die in der Steiermark bisher einen Schwarzenegger-Kult veranstaltet haben.

Nagl schickte Brief an Schwarzenegger
Enttäuscht zeigte sich der Bürgermeister von Graz, Siegfried Nagl (ÖVP): Er hatte noch in einem Brief versucht, Schwarzenegger zum Einlenken zu bewegen.

Grüne: Ehrenbürgerschaft aberkennen
Die Grazer Grünen wollen nicht nur das Stadion umbenennen, sondern Schwarzenegger auch den Ehrenring der Stadt Graz aberkennen.
Schwarzenegger habe erbarmungslos einen Menschen hinrichten lassen, der in den Jahrzehnten seiner Gefangenschaft seinen Wandel eindrucksvoll unter Beweis gestellt habe, sagt die Grazer Grünen-Klubobfrau Sigrid Binder.
SPÖ: "Scharfer Protest" ohne Sanktion
Für die SPÖ äußerte Klubobmann Karl-Heinz Herper zwar "scharfen Protest", eine nochmalige Diskussion über Sanktionen halte er aber für überflüssig.

Völkerrechtler: Kein Vorbild
"Schwer enttäuscht" zeigte sich der Grazer Völkerrechtler und Leiter des Europäischen Ausbildungs- und Forschungszentrums für Menschenrechte und Demokratie (ETC), Wolfgang Benedek: "Dieser Mann ist für Graz und die Steiermark kein Vorbild mehr", so Benedek.
Benedek tritt ebenfalls für die Umbenennung des Stadions ein. Für ihn stehe fest, dass der Stellenwert von Schwarzenegger für die Steiermark "schwer gelitten" habe.

Er habe gehofft, dass der kalifornische Gouverneur die Gelegenheit nützen würde, "ein Zeichen gegen die Todesstrafe" zu setzen, so Benedek: "Er hätte es nicht schwer gehabt, von der harten Politik abzugehen."
Kritik auch aus Heimatort Thal
Was sein Parteikollege Franz Sölkner schon angekündigt hatte, machte Franz Fotr, Sprecher der Grünen in Schwarzeneggers Heimatort Thal, "definitiv": Man werde in Arnies Geburtsort einen Antrag auf Entziehung der Ehrenbürgerschaft stellen, und zwar schon am Mittwoch.
Auch den Schwarzenegger-Wanderweg, der aus drei Routen besteht und mit Meilensteinen im Leben Schwarzeneggers gesäumt ist, sollte "verschwinden", so Fotr.
"Arnold richtet sich nach den Gesetzen"
Um Neutralität bemüht zeigte sich der Thaler Bürgermeister Peter Urdl (SPÖ), der mit dem kalifornischen Gouverneur aufgewachsen ist und gemeinsam mit ihm die Schule besucht hat: "Ich bin froh, nicht in Amerika zu leben und solche Entscheidungen treffen zu müssen."
Er verstehe die schwierige Entscheidung, in der sich Schwarzenegger befunden haben müsse: "Er richtet sich nach den Gesetzen, die dort gelten und er kann nicht anders." Einen Antrag auf Entziehung der Ehrenbürgerschaft werde er ablehnen.
"Lehne Todesstrafe ab"
Auch jener hoher Landesbeamte, der das Geburtshaus von Schwarzenegger in Thal bewohnt, lässt Distanz erkennen: Es stehe ihm nicht zu, politische Entscheidungen des Gouverneurs zu kommentieren, nehme für sich persönlich aber in Anspruch, die Todesstrafe generell abzulehnen, meinte der Hofrat.
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