Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Auf dem Gelände stehen heute Einfamilienhäuser (Bild: ORF)
ADMONT
Arbeitslager Frauenberg war als KZ angedacht
Eines der vielen vergessenen Lager aus der Zeit der NS-Herrschaft befindet sich in Aigen bei Admont (Bezirk Liezen). Das Arbeitserziehungslager Frauenberg wurde 1940 sogar auf seine Tauglichkeit als größtes KZ der Nazis überprüft.
Nach Wallfahrtskirche benannt
Es war eines der ersten Arbeitserziehungslager im sogenannten Dritten Reich, das AEL Frauenberg. Angesiedelt in Aigen bei Admont wurde es nach der benachbarten Wallfahrtskirche benannt.
Bis zu 300 Männer arbeiteten und schliefen im AEL in Admont.
Insassen waren "Asoziale"
In den Holzbarracken war Platz für bis zu 300 inhaftierte Männer. Sie wurden unter SA-Bewachung gezwungen, am Ausbau der Verbindungsstraße von Admont nach Selzthal zu arbeiten. Im Jargon der NS-Zeit waren die Insassen des Lagers "Asoziale".

In einem Gendarmerieprotokoll aus dem Jahr 1939 steht, dass in das Lager Trinker, Arbeitsscheue und solche Männer eingewiesen werden, die sich ihrer Unterhaltspflicht entziehen. Doch die heute 78 Jahre alte Josefa Prentner, die als Kind neben dem Lager wohnte, erinnert sich anders: "Es waren Hitler-Gegner, die die gegen Hitler rebelliert haben."
Himmler ließ Frauenberg überprüfen
1940 geriet das Arbeitserziehungslager Frauenberg ins Visier der allerschlimmsten Nazi-Größen. SS-Führer Heinrich Himmler ordnete bei der Standortsuche für ein großes KZ die Überprüfung von einigen wenigen Lagern im gesamten deutschen Reich an, darunter auch Frauenberg bei Admont. Ausgewählt wurde letztlich Auschwitz.
AEL bestand bis 1943
Warum das Lager Frauenberg als KZ-Standort erst angedacht und dann von der SS wieder ausgeschlossen wurde, ist historisch ungeklärt. Das AEL Frauenberg bestand bis 1943. Anrainer Ernst Leimer erinnert sich: "Die sind zusammengezogen worden und mussten hier arbeiten. Mitte des Krieges hat sich das aufgelöst."
Bürgermeister will Hintergrund dokumentieren
Heute weist so gut wie nichts mehr auf das Lager hin, auf dem Gelände stehen Einfamilienhäuser. Der Bürgermeister Günther Posch zeigt Bereitschaft, sich der Vergangenheit zu stellen: "Ich würde es korrekt finden, ohne das zu bewerten, dass man es für die Geschichte eines Ortes aufarbeitet und in irgendeiner Form dokumentiert."
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