Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Nahostexpertin Karin Kneissl (Bild: privat)
POLITIK
Nahostexpertin fordert EU-Hilfe für Arabien
Die Nahostexpertin Karin Kneissl hat im Rahmen einer KPÖ-Veranstaltung in Graz die EU zu rascher Hilfe nach den Aufständen in der arabischen Welt aufgefordert. Sie schließt auch nicht aus, dass völlig neue Staaten entstehen werden.
Neue Staaten mit anderen Grenzen
Die Aufstände in der arabischen Welt gehen weiter. Die bewaffneten Konflikte zwischen den Aufständischen und den Truppen von Muammar Gaddafi halten an. Die bekannte österreichische Nahostexpertin Karin Kneissl sagte in Graz, es sei nicht auszuschließen, dass in der Konfliktregion völlig neue Staaten mit anderen Grenzen entstünden.
Kneissl: Keine gemeinsame Außenpolitik
Zuerst aber sei rasche Hilfe durch die EU notwendig, so Kneissl. Es habe sich gezeigt, dass es nach wie vor keine gemeinsame Außenpolitik in der EU gebe. Dabei müsste die EU ein hohes Interesse an einer Demokratisierung nach dem Sturz der Despoten haben.

Immerhin hätten Tunesien und Ägypten lange Jahre als eine Art Schutzschild gegen Flüchtlingsströme agiert, so Kneissl: "Die große Keule, die Gaddafi natürlich hat, ist: Es werden hunderttausende Flüchtlinge Europa überschwemmen."
Neue Rollen werden verteilt
Noch sei nicht abschätzbar, wie viele der ursprünglich 22 Diktaturen gestürzt würden, sagt Kneissl. In jedem Fall könne man davon ausgehen, dass die Karten in der arabischen Region neu gemischt werden: "Da werden eben andere Akteure jenseits der USA, jenseits der EU in dieser Region auch ihre Rolle haben. Das kann Brasilien sein, die ganze Lateinamerika-Connection im Rahmen der Energiepolitik, das kann Asien sein."
Keine "Facebook-Revolution"
Die - aus der Sicht der Aufständischen - erfolgreiche Revolution in Ägypten habe gezeigt, dass die Medien einen großen Anteil daran hatten, dass die Herrschaft Mubaraks zu Ende ging, meint Kneissl.

Im Unterschied zu vielen Experten will Karin Kneissl aber nicht von einer "Facebook-Revolution" sprechen: "Ohne einen TV-Sender wie Al Jazeera wäre es nicht so weit gekommen. In Ägypten wurde es relativ rasch zu einem echten Volksaufstand. Dort sind junge Leute neben Richtern, Behinderten und Müllmännern auf die Straße gegangen. Aber die Müllmänner von Kairo haben kein Mobiltelefon."
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