Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Mur-Auen (Bild: cipra.org)
UMWELT
Kraftwerksprojekte: WWF fürchtet um Huchen
Der World Wild Life Fund (WWF) und die Weltnaturschutzunion IUCN fürchten um den Huchen. Diese Lachsart gedeiht in der steirischen Mur besonders gut, sei aber durch die aktuellen Kraftwerksprojekte akut gefährdet.
Der Huchen kann bis zu 50 Kilogramm schwer und über 20 Jahre alt werden.
Größtes Huchenvorkommen weltweit
Anfang März beginnt die alljährliche Laichsaison der Huchen in der steirischen Mur. Mit eineinhalb Metern Länge gehört diese Lachsart zur größten der Welt. In der Mur lebt der urtümliche Fisch noch in einer gesunden Population von etwa 1.000 Individuen.

Die Fische finden in der steirischen Mur derzeit noch optimale Bedingungen zur Fortpflanzung, die steirische Huchenpopulation ist laut WWF die größte der Welt.
Mahnschreiben an Berlakovich und Voves
Deshalb hat man am Mittwoch auch offene Briefe an Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) und die steirische Landesregierung geschrieben.

"Die Kraftwerksprojekte Stübing, Gratkorn, Graz-Puntigam und Gössendorf/Kalsdorf werden den Huchen aus seinem angestammten Lebensraum verdrängen", sorgt sich auch die Weltnaturschutzunion IUCN.
Zum Laichen braucht die Fischart Kies- und Schotterlebensräume in schnell fließenden Flüssen mit kleineren Zubringern.
Worst Case: Aus für Huchenpopulation
Die Unterbrechung des Fließkontinuums durch die Staumauern würde dazu führen, dass der Huchen in den entsprechenden Murabschnitten nicht mehr zu seinen seit Jahrtausenden angestammten Laichplätzen gelangen kann.

"Auch die verlangsamte Fließgeschwindigkeit und die veränderten Wasserbedingungen machen ihm zu schaffen", sagt Christoph Walder, Wasserkraftexperte des WWF. Fischaufstiegshilfen, die immer wieder als Alternative genannt werden, würden leider nur bedingt funktionieren, meint Walder. Im schlimmsten Fall könnte die steirische Huchenpopulation mit den Kraftwerken völlig zerstört werden.
WWF: Keine Kraftwerke mehr zulassen
Auf die internationale Bedeutung der Mur-Huchen für den Naturschutz und die Fischerei weist auch die IUCN hin und empfiehlt, baldmöglichst eine ausführliche Studie über die Huchenpopulation in der Mur und deren Reaktion auf die geplanten Kraftwerke durchzuführen.

Der WWF fordert daher Umweltminister Niki Berlakovich und den steirischen Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) auf, diese Bedenken ernst zu nehmen und keine weiteren Kraftwerksplanungen zuzulassen, bis die Auswirkungen auf die - durch nationale Gesetze und internationale Abkommen geschützte - Fischart geklärt sind.
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