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MI | 11.04.2012
Wörterbuch (Bild: negrobike - Fotolia.com)
MEDIEN
"Fremdschämen" ist Wort des Jahres 2010
Das Wort und Unwort des Jahres 2010 ist gekürt: Die Fachjury unter Leitung eines Grazer Professors hat sich für "Fremdschämen" und "humane Abschiebung" entschieden.
"Humane Abschiebung" als Unwort
Die Wortkreation "Fremdschämen" machte 2010 das Rennen um das Wort des Jahres; an zweiter Stelle landete "verhaltenskreativ". Bei den Unwörtern siegte "humane Abschiebung" vor "Türkenmilch" und "E-Card-Urlaub".
"Fremdschämen" als Allgemeinzustand in unserer Gesellschaft?
Sich genieren für politische Zustände?
"Fremdschämen" beschreibt die Empfindung, die auftritt, wenn man das Verhalten anderer Personen oder Gruppen als beschämend peinlich empfindet, während sich die handelnden Personen dessen gar nicht bewusst sind.

Ihre Wahl begründet die Jury unter Leitung des Grazer Germanisten Rudolf Muhr folgendermaßen: "Angesichts des Verlusts an Qualität in vielen Bereichen (Bildung, Verwaltung, Krankenwesen usw.) und der Stagnation in der heimischen Politik verschiebt sich das Verantwortungsgefühl auf die einzelnen Bürger, die sich für die Zustände und die dafür Verantwortlichen immer öfter genieren (fremdschämen), obwohl die Lösung nicht in ihren Händen, sondern in jenen der zuständigen Politiker liegt, die aber vielfach untätig bleiben."
Abschiebung kann nicht "human" sein.
Begründung der Jury
Auch die Auswahl zum Unwort des Jahres wurde ausführlich begründet: "Der Umstand, dass eine Abschiebung von Menschen ins Ausland einen Akt staatlicher Gewaltausübung darstellt und damit nicht 'human' ist, insbesondere, wenn sie Kinder betrifft, macht diesen Begriff widersprüchlich und damit sowohl aus sprachlicher wie auch aus sachlicher Sicht zum Unwort. Er verschleiert die zuletzt häufig erfolgte Abschiebung von gut integrierten Zuwandern, denen die Fremdengesetze entgegenstehen, und geht auf die derzeitige Innenministerin zurück, die im Oktober 2010 angekündigt hat, dass sie veranlasst habe, Abschiebungen 'humaner' gestalten zu wollen", so die Jury.
Spruch und Jugendwort des Jahres
Gekürt wurden neben Wort und Unwort auch noch der Spruch des Jahres - "Ich werde auf die Einhaltung des Defizits achten." (Finanzminister Josef Pröll am 24. November 2010 in einer ORF-Nachrichtensendung) - und der Unspruch des Jahres: "Es gilt die Unschuldsvermutung."

Erstmals gewählt wurde heuer auch ein Jugendwort des Jahres. Das Rennen machte "Kabinenparty", nach dem Titel eines österreichischen Hip-Hop-Liedes, das im Sommer die Charts stürmte.
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