Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Gerichtssaal (Bild:orf.at)
GRAZ
Eltern von HIV-infiziertem Kind verurteilt
Jene Eltern, die ihr HIV-infiziertes Kind nicht behandeln lassen wollten, müssen sich zweimal vor Gericht verantworten. Am Dienstag wurden sie in Graz wegen veröffentlichter Informationen über ihre anderen Kinder verurteilt.
Verbotene Veröffentlichung
Im am Dienstag verhandelten Fall ging es nur indirekt um die HIV-Infektion und die ungewünschte Behandlung ihres jüngsten Kindes im Krankenhaus.

Die weststeirischen Eltern mussten sich wegen des Vergehens der verbotenen Veröffentlichung - sie haben auf ihrer Homepage Informationen über ihre anderen, nicht von der Infektion betroffenen Kinder veröffentlicht - verantworten.
Frau wollte Medien auschließen
Bislang suchte das Paar immer die Öffentlichkeit - die Internetseite der Familie ist nach wie vor online. Vor Gericht wollte die Frau Journalisten aber nicht dabei haben: Es hätte kaum ein Wort gestimmt, was geschrieben wurde, so die Beschuldigte.

Der Antrag wird abgewiesen. Der Richter begründete, dass es absurd sei, die Medien auszuschließen, wenn die Frau selbst im Internet alles veröffentlicht habe.
Laut Verteidiger betreibe der nicht anwesende Vater der Kinder die Internetseite; das Ehepaar versuche so, Hilfe zu bekommen.
"Ich entschlage mich der Aussage"
In der Verhandlung selbst war die Beschuldigte dann dementsprechend wortkarg: "Ich entschlage mich der Aussage", bekam der Richter mehrmals zu hören. Zu einem eingerichteten Spendenkonto wollte sie ebenso nichts sagen wie auf die Frage, ob sie die betreffenden Stellen aus dem Internet löschen werde.

"BH sagt nicht die Wahrheit"
Dann legte sie eine "Folterbeschwerde" vor, die auch an den Bundespräsidenten und die Vereinten Nationen gegangen sei. "Warum haben Sie, obwohl Sie zur Geheimhaltung verpflichtet waren, Dokumente der Bezirkshauptmannschaft ins Internet gestellt?", wollte der Richter wissen. "Weil die Behauptungen der BH nicht der Wahrheit entsprechen", so die Frau.
Zu Geldstrafe verurteilt worden
Der Staatsanwalt beantragte zum Schutz der Kinder die Löschung der betreffenden Stellen und eine Geldstrafe - und das Ehepaar wurde schuldig gesprochen: Die Frau wurde zu 480 Euro Geldstrafe verurteilt, ihr Mann zu 1.200 Euro; zudem müssen die betreffenden Stellen von der Internetseite gelöscht werden. Der Verteidiger meldete Berufung an, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.
Beide Eltern sind selbst HIV-positiv.
Behandlung abgelehnt
Während die Eltern beide selbst HIV-positiv sind, ist nur das jüngste der vier Kinder ebenfalls mit dem HI-Virus infiziert. Das kleine Mädchen wurde im Dezember des vergangenen Jahres in die Grazer Kinderklinik gebracht, weil es an einer Lungenentzündung litt - diese war nach Ansicht der Ärzte auf die HIV-Infektion zurückzuführen.
Wunderheiler bezeichnet Aids als "Allergie"
Die Eltern lehnten jedoch eine Behandlung durch Schulmediziner ab und verwiesen auf den "Wunderheiler" Ryke Geerd Hamer, der vor Jahren im Fall der damals sechsjährigen krebskranken Olivia für Schlagzeilen gesorgt hatte. Dieser bezeichnet HIV nur als "Allergie".
Die Mutter hat ihr Baby trotz der Ansteckungsefahr gestillt.
Eltern drohen bis zu sechs Jahre Haft
In der zweiten Anklage - sie lautet auf Körperverletzung mit Dauerfolge, vorsätzliche Gefährdung anderer Menschen mit übertragbaren Krankheiten sowie Verleumdung, der Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest - muss sich vor allem die Mutter verantworten, da sie trotz HIV-Infektion ihr Baby bei einer Hausgeburt bekam, um den Kaiserschnitt und die Gabe von HIV-Medikamenten zu verhindern.

Außerdem habe die Frau ihr Baby trotz Ansteckungsgefahr gestillt und die Medikamente bewusst nicht verabreicht. Ihr Mann wurde als Beitragstäter eingestuft. Alle vier Kinder des Paares leben mittlerweile bei Pflegeeltern.
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