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MI | 11.04.2012
Gedenktafel am Feilferhof (bild: ORF)
GESCHICHTE
NS-Verbrechen in Graz: Opferzahl gestiegen
Das Ausmaß der NS-Verbrechen auf dem Gelände der Grazer Belgierkaserne dürfte größer sein als angenommen. Zu den bereits gefundenen 142 Leichen könnten bis zu 80 weitere hinzukommen
Die Ermordung der Opfer sei von der Gauleitung empfohlen und mit einer "Todesliste" untermauert worden, so die Historiker.
142 Opfer waren bisher bekannt
Dass auf dem Gelände der jetzigen Belgierkaserne Kriegsverbrechen geschehen sind, ist bekannt. Bisher war offiziell von 142 Leichen die Rede - großteils ungarische Juden, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene - die in den letzten Kriegstagen von den Nazis erschossen wurden.

Am Mittwoch allerdings präsentierte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) mit einigen Historikern die neuesten Erkenntnisse jahrelanger Nachforschungen.
Es könnte bis zu 219 Opfer sein
"Bei den Exhumierungen im Sommer 1945 -durchgeführt durch eine österreichisch-sowjetische Gruppe - stand schon fest, dass nicht alle damals bekannten Opfer gefunden wurden. Man hat damals weitere Recherchen unterlassen, und wir konnten jetzt die Opferzahl präzisieren und leider auch vergrößern", sagt der Grazer Historiker Dieter Binder.

"Wir suchen jetzt die Überreste von sieben Personen, die bisher schon bekannt waren, und eine Größenordnung darüber, die ich momentan als x beschreiben möchte, da diese Anzahl nicht genau feststeht. Es handelt sich um jüdische Zwangsarbeiter, die in der Kaserne erschossen worden sind", so Binder.
Unter den Hingerichteten dürften sich auch vier Frauen befinden.
Auswertung von Luftbildern
Die Zahl der NS-Opfer am Gelände der früheren SS-Kaserne Wetzelsdorf und des nahegelegenen Schießplatzes Feliferhof könnte auf 219 steigen, sagte Binder schließlich.

Die Überreste seien in Bombenkratern verscharrt worden und erst durch die Auswertung amerikanischer und britischer Luftbilder gefunden worden: "Dadurch sind wir in der Lage, mit großer Wahrscheinlichkeit die verscharrten Überreste der Opfer zu lokalisieren", so Binder.
Opfer im Bereich des Sportplatzes vermutet
Für die Suche nach den Opfern ist jetzt das Verteidigungsministerium zuständig. Die Historiker vermuten, dass die "Gräber" im Bereich des Sportplatzes der Kaserne liegen; neben den Überresten der NS-Opfer suchen die Historiker aber auch nach amerikanischen und britischen Flugzeugbesatzungen, die seit den letzten Kriegstagen 1945 als vermisst gelten.

Im Fall der Verbrechen in der Belgierkaserne wurden übrigens auch noch drei mutmaßliche Verbrecher ausgeforscht, die sich nach dem Krieg abgesetzt haben - allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sie noch leben: Der Jüngste wäre heute 99 Jahre alt.
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