Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Prolactal in Hartberg (Bild: Prolactal)
GESUNDHEIT
Listerien: Firma wusste nichts von Todesfällen
Am Montag wurde bekannt, dass nach dem Verzehr von Quargel der steirischen Firma Prolactal sechs Menschen gestorben sein sollen. Bei der Firma habe man davon bisher nichts gewusst, wird betont; aus dem Gesundheitsministerium heißt es, man habe rechtzeitig reagiert.
"Noch nicht ganz klar, was die Ursachen für die Todesfälle waren", so eine Sprecherin.
Prolactal: "Erschüttert"
Man sei erschüttert, sagt Prolactal-Sprecherin Rosemarie Schuller, habe von den sechs Todesfällen aber bisher nichts gewusst: "Wir haben erst jetzt von diesen Todesfällen erfahren. Nach unserem Dafürhalten ist noch nicht ganz klar, was die Ursachen waren. Faktum ist, dass wir in dem Moment, wo wir die erhöhten Werte mitgeteilt bekommen haben, sofort reagiert und die Produktion gestoppt haben."

Vorwürfe eines Informanten der Austria Presse Agentur, Prolactal habe bereits seit September von der Gefahr gewusst, weißt Schuller zurück.
Früher habe man nicht warnen können, ohne zu wissen wovor, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.
Über Einkaufszettel auf die Spur gekommen
Auf die Spur der Listerien im Quargel kam man durch die Einkaufszettel Erkrankter; Ende Oktober 2009 häuften sich die Listerien-Fälle, die aber viele Ursachen haben können, und erst im Jänner konnte man den Käse als Ursache ausmachen, sagt Ulrich Herzog vom Gesundheitsministerium: "Es ist tatsächlich gelungen, ein gemeinsames Produkt auszumachen. Das waren diese Sauermilch und Quargel-Käseprodukte der angesprochenen Firma."
"Rechtzeitig und vorbildlich reagiert"
Die Firma Prolactal und das Gesundheitsministerium hätten rechtzeitig und vorbildlich reagiert: Früher habe man nicht warnen können, ohne zu wissen wovor, betont Herzog.

Zu den erst jetzt öffentlich gewordenen Todesfällen sagt Herzog, dass es jedes Jahr Tote durch Listerien gebe, "daher ist es hier sehr schwierig zu sagen, ab wann informiert man hier über einen Todesfall in diesem Zusammenhang. Es hat keinen Mehrwert für den Verbraucher."
"Wie ich informiert worden bin, haben wir auch die Öffentlichkeit informiert."
Stöger sieht kein Fehlverhalten
Auch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) sieht kein Fehlverhalten der Behörden und der Firma: "Wie ich informiert worden bin, haben wir auch die Öffentlichkeit informiert."

Warum die Öffentlichkeit aber nicht schon bei der Rückholaktion vor drei Wochen über die Todesfälle informiert wurde, bleibt fraglich.
BZÖ fordert Stöger-Rücktritt
Das BZÖ fordert dennoch den "sofortigen Rücktritt" Stögers. Nach dem ersten Todesfall aufgrund des durch Listerien verseuchten Käses im Oktober hätte das Ministerium den todbringenden Käse aus den Regalen nehmen müssen, so der steirische BZÖ-Landeschef Gerald Grosz: "Das Gesundheitsministerium hat es zu verantworten, dass Menschen sterben mussten."
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen die Verantwortlichen des Unternehmens.
Staatsanwalt ermittelt
Die Staatsanwaltschaft Graz hat jedenfalls am Dienstag Erhebungen aufgenommen. Man sei von selbst aufgrund der Medienberichte wegen des Verdachts einer strafbaren Handlung tätig geworden, so Sprecher Manfred Kammerer; erhoben werde wegen fahrlässiger Tötung und farhlässiger Körperverletzung gegen die Verantwortlichen des Unternehmens.

Die Polizei ist laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz Manfred Kammerer bereits eingeschaltet: "In der betroffenen Firma sind die Verantwortlichen auszuforschen, zu befragen und uns dann Bericht zu erstatten."

Allerdings sei keine Gefahr im Verzug, da das infrage kommende Produkt des Unternehmens schon länger vom Markt genommen sei.
Scharfe Kritik der Landwirtschaftskammer an der "irreführenden Kennzeichnung" von Lebensmitteln.
LWK: "Kein Tropfen steirische Milch"
Kritik kommt unterdessen von der steirischen Landwirtschaftskammer: In den von Prolactal hergestellten "Hartberger Bauernquargel"-Sorten sei kein Tropfen steirische Milch verarbeitet. "Wir wehren uns massiv gegen die Pauschalverurteilungen von steirischem Käse, der ausschließlich aus heimischer Milch unter strengster Hygiene hergestellt wird", so Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski.
Laut Auskunft der Firma Prolactal verwendet diese für die Käseerzeugung keine Frischmilch, sondern kaufe Topfen aus Deutschland für die Weiterverarbeitung zum "Hartberger Bauernquargel" zu.
Die AK fordert eine bessere Kennzeichnung, warum ein Produkt im Handel aus einem Regal genommen werde.
AK: Bessere Infopolitik bei Rückruf-Aktionen
Bei der Arbeiterkammer Steiermark kann man sich in diesem Zusammenhang eine bessere Informationspolitik von Unternehmen und Handel im Falle von Rückruf-Aktionen von Lebensmitteln vorstellen, so die Leiterin der Abteilung Marktforschung der Arbeiterkammer Steiermark, Susanne Bauer.

Dies wäre vor allem eine bessere Kennzeichnung, warum ein Produkt im Handel aus einem Regal genommen werde: "Es sollte nicht so einfach ohne Erklärung verschwinden, die Konsumenten müssten informiert werden und auch aufgefordert, das Produkt zurückzubringen", so Bauer.
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