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MI | 11.04.2012
Jörg-Martin Willnauer beim Staatsbürgerschaftstest (Bild: ORF)
EINWANDERUNG
Grüne Kritik an Staatsbürgerschaftstest
Der Staatsbürgerschaftstest in der Steiermark brauche eine Überarbeitung, kritisiert der Spitzenkandidat der Grünen und Neo-Österreicher Jörg-Martin Willnauer: Die Fragen seien fragwürdig, viele Zahlen falsch.
Der gebürtige Deutsche kritisiert auch die hohen Kosten, die anfallen.
Willnauer lebt seit 1981 in Graz
Vor einigen Monaten legte der Spitzenkandidat der steirischen Grünen für die Landtagswahl selbst den Staatsbürgerschaftstest ab - um für eine Partei kandidieren zu dürfen, braucht man die österreichische Staatsbürgerschaft.

Der gebürtige Deutsche, der seit 1981 in der Steiermark lebt, hat den Test absolviert und bestanden, spart jetzt aber nicht mit Kritik am Prozedere.
Die Unterlagen müssen überarbeitet werden, fordert der Grün-Abgeordnete.
3.000 Euro Kosten
So seien etwa die Kosten massiv belastend - vor allem für Menschen, die wie bei Immigranten oft der Fall - ohnehin finanziell nicht gut gestellt sind. In seinem persönlichen Fall hätten sich die Kosten für Bundes- und Landesgebühren sowie für den Erwerb neuer Dokumente auf knapp 3.000 Euro summiert. In Deutschland würden dafür im Vergleich nur 250 Euro anfallen.
Lernunterlagen voller Fehler
"Außerdem sind die Lernunterlagen für den Test voll mit falschen Zahlen, schiefer Terminologie und dumpfem historischen Denken", so Willnauer. Zum Beispiel seien falsche Zahlen bei der Auflistung der Religionszugehörigkeit angegeben worden.

Die Fragen beim Staatsbürgerschaftstest hält der 52-Jährige für "bemerkenswert": "Es wurde gefragt, seit wann die steirische Landeshymne Landeshymne ist. Welcher Steirer weiß das?"
Historiker teilen Willnauers Ansicht und bezeichnen die historischen Inhalte als fehlerhaft.
Willnauer fordert Überarbeitung
Innerhalb der Europäischen Union sei auch hinterfragenswert, warum man als Neo-Österreicher keine Doppelstaatsbürgerschaft haben könne bzw. dies nur unter bestimmten Umständen möglich sei. Das sei nicht sehr "europäisch", so Willnauer.

Insgesamt habe er den Eindruck gehabt, Österreich würde seine neuen Staatsbürger wenig herzlich empfangen. Willnauer fordert eine Überarbeitung und insgesamt eine Verbesserung des Prozederes.
Historiker teilen inhaltliche Kritik
Die inhaltliche Kritik Willnauers bestätigen auch Grazer Historiker: Sie orten gravierende Mängel, wie etwa Nikolaus Reisinger vom Institut für Geschichte der Universität Graz. Reisinger hat gemeinsam mit Kollegen die Lernunterlagen durchforstet und spricht von Verkürzungen und falschen Darstellungen, die keinesfalls dem Stand der Forschung entsprächen. Daher spricht sich Reisinger auch für eine generelle Streichung dieses Testteils aus.
Das bestehende Testsystem sei eine "Missachtung sämtlicher lernpsychologischer, pädagogischer und didaktischer Erkenntnisse. Ein historisches Verstehen kann so wohl kaum erreicht werden".
Multiple-Choice-Verfahren als Alternative
Als Alternative wurde ein Multiple-Choice-Verfahren entworfen: Darauf soll in einem modular aufgebauten, halbjährigen Kurs vorbereitet werden.
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