Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Infusionen (Bild: steiermark.ORF.at)
GRAZ
Tod nach Transplantation: Schwere Vorwürfe
Im Fall jenes Dialysepatienten, der nach der Transplantation einer mit Tumorzellen belasteten Niere gestorben ist, sind nun Details bekanntgeworden. Der Spender war demnach Risikopatient, mehrere Organe seien befallen gewesen.
Bis zu fünf Zentimeter große Tumore wurden gefunden.
Tumore in mehreren Organen
Gleich mehrere Organe des Spenders der Niere waren mit Metastasen befallen. So wurden etwa in Lunge und Milz des 57 Jahre alten Villachers zwei Zentimeter große Tumore festgestellt, in der Harnblase waren die Tumore sogar fünf Zentimeter groß, gab der Gutachter der Familie des verstorbenen Steirers am Donnerstag bekannt.
"Wie kompetent waren die Untersuchungen"
Weil man den Krebs im LKH Klagenfurt nicht entdeckt hatte, wurde dem steirischen Dialyse-Patient die Niere eingesetzt. "Es stellt sich die Frage, wie kompetent waren die Untersuchungen, dass man so etwas übersehen hat", sagte Chirurg Georg S. Kobinia, der das Privatgutachten erstellt hat.
Der Spender litt an einer Leberzirrhose, war starker Raucher und starb schlussendlich an einer Gehirnblutung.
Marker zeigten Tumor an
Der Villacher wurde zunächst in seiner Heimatstadt behandelt und danach am 10. Juli 2007 für die Organentnahme in das LKH Klagenfurt überstellt.

Beim Ultraschall in Klagenfurt wurden die Metastasen des 57-Jährigen nicht entdeckt. Dabei handelte es sich nicht um ein junges Unfallopfer, sondern laut Kobinia um einen "Risikopatienten", der unter einer Leberzirrhose litt, starker Raucher war und schlussendlich an einer Gehirnblutung starb.

Auch den "suspekten Befunden" zuvor im Landeskrankenhaus Villach - unter anderem schlug ein Tumormarker an - wurde nicht nachgegangen. Die Schuld sieht die Anwältin der Familie, Karin Prutsch, beim LKH Klagenfurt.
Zweite Niere sollte 28-Jähriger bekommen
Die erste Niere wurde dem Steirer in der Nacht auf 14. Juli 2007 eingesetzt. Bei der Transplantation der zweiten Niere, die ein 28-Jähriger bekommen sollte, wurden die Metastasen schließlich entdeckt. "Der junge Mann hatte das Glück, dass er der zweite im Operationssaal war", sagte Prutsch. Die Ärzte schlugen Alarm.
Gleiches Tumorgewebe
Zwölf Stunden später wurde dem Dialysepatienten die im Mikrobereich metastasierte Niere wieder entnommen. Zwei Jahre später, im April 2009, starb der Steirer an Krebs. "Das Organ war bereits an den Blutkreislauf angeschlossen", sagte Prutsch. Eine DNA-Analyse zeigte, dass das Tumorgewebe des Steirers morphologisch ident mit jenem des Spendertumors war.
Keine Anzeige gegen LKH Klagenfurt
Anzeige gegen das Klagenfurter Krankenhaus wurde jedoch nicht erstattet. Man möchte für die Witwe und den Sohn des verstorbenen Patienten eine außergerichtliche Einigung auf Schadenersatz.
Medizinischer Direktor: Man habe sich rechtmäßig und gemäß den internationalen Richtlinien verhalten.
LKH Klagenfurt: "Bedauerlicher Vorfall"
Als "bedauerlichen Vorfall" hat der medizinische Direktor des Landeskrankenhaus Klagenfurt, Peter Lind, den Tod des Steirers bezeichnet. Man habe sich bei der Organentnahme in Klagenfurt rechtmäßig und gemäß den internationalen Richtlinien verhalten, üblich sei vor Transplantationen eine Ultraschalluntersuchung des vorgesehenen Organs. In solchen Fällen bleibt den Ärzten nur ein Zeitfenster von etwa einer halben Stunde.

Die Anwältin der Familie spricht von einem anderen Zeitfenster: "Der Spender ist dort drei Tage lang auf der Intensivstation gelegen. Da hätte man Zeit genug gehabt, diese suspekten Befunde weiter zu verfolgen", so Prutsch. Lind meinte zudem, dass die Ärzte auch bei der Explantation nichts sehen hätten können, da die Niere von Fettgewebe umgeben ist und man deshalb das Organ nicht sehe.
15.000 Europäer warten auf Transplantation
Europaweit warten zurzeit 15.000 Personen auf eine Transplantation. Damit ein passendes Organ den Weg zum Empfänger findet, ist eine Art medizinisches Netzwerk, die Eurotransplant mit Sitz in der holländischen Stadt Leiden, aufgebaut worden. Dort laufen sämtliche Informationen über aktuell verfügbare Spenderorgane und über die medizinischen Daten der Empfänger zusammen. Von Leiden aus werden Organe europaweit zugeteilt.
Den Tumor frühzeitig zu bemerken, sei für die Transplantationschirurgen unmöglich gewesen, hieß es.
LKH Graz: "Tragisch"
Von Holland aus gäbe es genaueste Kontrollvorgaben aller involvierten Stellen, so der Leiter der Grazer Transplantationschirurgie Karlheinz Tscheliessnig. Der Fall des steirischen Dialysepatienten sei "tragisch", aber extrem selten. Den Tumor im konkreten Fall frühzeitig zu bemerken, sei für die Transplantationschirurgen unmöglich gewesen.
Patientenombudsfrau: Keine Qualitätsmängel
Keine schweren Qualitätsmängel bei Transplantationen kann auch die steirische Patientenombudsfrau, Renate Skledar, ableiten. Vor Jahren habe es in der Steiermark einen ähnlichen Fall wie jetzt gegeben. Im darauf folgenden mehrere Jahre dauernden Schlichtungsverfahren seien keine Fehler der behandelnden Mediziner nachweisbar gewesen.
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