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MI | 11.04.2012
Fritz Csoklich (Bild: APA/Günter R. Artinger)
NACHRUF
"Kleine Zeitung"-Doyen Fritz Csoklich tot
Der langjährige Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", Fritz Csoklich, ist tot. Csoklich starb Donnerstagfrüh 80-jährig in Graz. Der gebürtige Wiener hatte die "Kleine Zeitung" mehr als 30 Jahre lang geleitet.
1929 in Wien geboren.
Enge Verbindung mit katholischer Kirche
Csoklich wurde am 5. Mai 1929 in Wien geboren und studierte dort Germanistik und Geschichte. Während des Studiums engagierte er sich in der Katholischen Jungschar, auch später blieb er der Katholischen Aktion, der größten Laienorganisation der katholischen Kirche in Österreich, in ehrenamtlichen Leitungsfunktionen eng verbunden.
"Lehrjahre" bei deutschen Zeitungen
1953 startete er seine journalistische Karriere bei der "Kleinen Zeitung", absolvierte zunächst jedoch "Lehr- und Wanderjahre" bei mehreren deutschen Zeitungen, unter anderem bei der "Rheinischen Post" in Düsseldorf.
34 Jahre lang Chefredakteur
1959 kam er zurück nach Graz, wo er bei der "Kleinen Zeitung" zunächst im Ressort für Außenpolitik und dann im Lokalteil tätig wurde. Ein Jahr später wurde er Chefredakteur der "Kleinen" - das blieb er fast 34 Jahre lang.
2001 in den ORF-"Weisenrat" berufen.
Ein Vater des Rundfunk-Volksbegehrens
Csoklich gilt zudem als einer der Väter des Rundfunk-Volksbegehrens im Jahr 1964, das von unabhängigen Zeitungen initiiert wurde - über 830.000 Stimmen führten schließlich zum Rundfunkgesetz 1966.

2001 wurde Csoklich in den ORF-"Weisenrat" berufen: Gemeinsam mit Gerd Bacher, Alfred Payrleitner und Heinrich Keller arbeitete er damals im Auftrag der ÖVP-FPÖ-Regierung Vorschläge für eine ORF-Reform aus.
Gestalter der "Gedanken zur Zeit"
Csoklich galt sowohl im Medien- als auch im kirchlichen Bereich als zentrale Persönlichkeit der Nachkriegszeit. Für den ORF gestaltete Csoklich mehrere Jahre lang - bis zum Jahr 2006 - in Radio Steiermark die "Gedanken zur Zeit" am Sonntag und nahm zu aktuellen Themen Stellung.
Fischer: Charaktervolle journalistische Handschrift
"Fritz Csoklich hatte eine von christlichen Prinzipien geprägte Weltanschauung, klare Grundsätze, eine demokratische Gesinnung und außerdem war er ein sehr liebenswürdiger Mensch und Kollege", heißt es in einem Kondolenzschreiben von Bundespräsident Heinz Fischer. Noch zum 80. Geburtstag habe er den früheren Chefredakteur wegen dessen ganz besonderer "charaktervoller journalistischer Handschrift" gewürdigt.
Mit Fritz Csoklich verliere die Steiermark eine journalistische Leitfigur, so der Landeshauptmann.
Voves: "Einer der ganz großen Journalisten"
Nach den Worten des steirischen Landeshauptmannes Franz Voves (SPÖ) war Csoklich "einer der ganz großen Journalisten unseres Landes". Er habe "in christlicher Prägung in bestem Sinne und mit seiner unbeugsamen humanistischen Haltung" die "Kleine Zeitung" und den ganzen Journalismus der Steiermark während dreieinhalb Jahrzehnten als Redaktionsleiter entscheidend geprägt.
"Baumeister der journalistischen Qualität"
Als Verfechter journalistischer und persönlicher Freiheit, ausgestattet mit Kommunikationsfähigkeit auf höchsten Niveau, sei er "entscheidender Baumeister der journalistischen Qualität" auch einer ganzen Generation von ihm ausgebildeter Journalisten gewesen. Mit Csoklich verliere die Steiermark eine journalistische Leitfigur, so Voves.
Schützenhöfer: Großer christlicher Humanist
Der steirische ÖVP-Obmann LH-Stv. Hermann Schützenhöfer bezeichnete Csoklich als "einen ganz großen christlichen Humanisten" und "eine herausragende Persönlichkeit". Er habe immer die Hand zum Dialog ausgestreckt, über die Grenzen der Politik sowie der Konfessionen und insbesondere hin zu den Nachbarländern.
Kaltenegger: "Ein offener Mensch"
Der steirische KPÖ-Klubobmann Ernest Kaltenegger hob besonders das Engagement Csoklichs für Länder der "Dritten Welt" hervor. "Csoklich ist als katholischer Journalist ein offener Mensch gewesen, der bereit war, auch mit Menschen in einen Dialog zu treten, die sich zu einem marxistischen Hintergrund bekannten", meinte Kaltenegger.
Kogler: "Journalist mit Haltung"
Als "Journalist mit Haltung im besten Sinne des Wortes" bezeichnete Werner Kogler von den Grünen den Verstorbenen. Seine Absicht sei es immer gewesen, möglichst viele Menschen zu informieren, "aber mit Niveau und ohne Boulevardisierung".
Kapellari: Demokratie und Kirche haben zu danken
"Mit Fritz Csoklich ist einer der profiliertesten katholischen Journalisten der Nachkriegszeit in die Ewigkeit gerufen worden", sagte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari. "Sowohl die österreichische Demokratie wie auch die katholische Kirche haben ihm viel zu danken", so Kapellari.
Weber: Vorbild eines gläubigen Laien
Als "Grund- und Vorbild eines gläubigen Laien" bezeichnete der steirische Altbischof Johann Weber Czoklich. Mit ihm habe die Kirche in der Steiermark und in ganz Österreich eine große Persönlichkeit verloren. "Die Kirche war seine Kirche, der er in inniger Verbundenheit gedient hat", so Weber. Achtung vor dem Mitmenschen und eine Klarheit in seinen Standpunkten habe Csoklichs Wirken ausgezeichnet.
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