Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Skinheads (Bild: APA)
SEKTENBERICHT
Rechte Szene bei Jugendlichen im Vormarsch
Der Zulauf zu Sekten in der Steiermark hält sich in Grenzen, das besagt der Sektenbericht für 2008. Allerdings ist - vor allem bei Jugendlichen - ein verstärkter Zulauf zu rechtsextremen Gruppen zu beobachten.
Für jeden zweiten Steirer ist Esoterik ein Thema, so Schweidlenka.
Wirtschaftskrise bringt neue Esoterikwelle
In Graz wurde am Donnerstag der Sektenbericht des Landes für das vergangene Jahr präsentiert: In der Steiermark gibt es demnach eine neue Esoterikwelle - für etwa die Hälfte der Steirer ist Esoterik ein Thema. Grund dafür ist unter anderem die allgemeine Verunsicherung durch die Wirtschaftskrise. Der Zulauf zu Sekten hält sich in Grenzen.
Zwei Prozent gehören rechten Gruppen an.
"Es ist Zeitgeist, rechts zu sein"
Allerdings gibt es laut dem Bericht eine andere beunruhigende Entwicklung: "Es ist Zeitgeist, rechts zu sein", sagt der steirische Sektenbeauftragte Roman Schweidlenka, der auch antidemokratische Strömungen im Land beobachtet. Bereits zwei Prozent der steirischen Jugendlichen gehören einer rechtsextremen Gruppe an - der Rechtsextremismus sei damit die derzeit erfolgreichste Jugendbewegung im Land.
Vor allem das Internet wird von rechtsextremen Gruppen genutzt.
"Rechte werben aggressiver"
"Was man sicher sagen kann, ist, dass Rechtsextreme und Neonazis aggressiver werden und Jugendliche und Jugendkulturen immer wirksamer anwerben", so Schweidlenka. Hier erhalte vor allem das Internet eine immer größere Bedeutung, warnt der Sektenexperte.
"Vor allem in Leoben, Feldbach, Leibnitz und Mürzzuschlag gibt es rechte Skin-Gruppen."
Rechte Gruppen rücken zusammen
Bestimmte Musik, Kleidermarken und Codes verbinden die rechtsextremen Gemeinschaften. Die einzelnen Gruppen in der Steiermark rücken immer näher zusammen. "In der Steiermark haben wir rechte Skin-Gruppen in Feldbach, Leibnitz, Mürzzuschlag und mehrere in Leoben. Wir haben die Nationale Volkspartei, die ich selbst in Graz gesehen habe: Die machen Flugblattaktionen", erklärt der Sektenexperte.
Protest und Vertrauensverlust in Demokratie als Gründe.
Wirtschaftskrise verunsichert Jugendliche
Der Grund, warum Jugendliche nach rechts tendieren, sei meist Protest gegen die Gesellschaft, der Verlust des Vertrauens in die Demokratie, aber auch die Suche nach einem "starken Mann".

Außerdem seien viele Jugendliche durch die Wirtschaftskrise verunsichert - Sündenböcke würden gesucht, sagt Schweidlenka:
"Einstiegsdroge ist immer die Ausländerfeindlichkeit und Aussagen wie 'Der Hitler war doch nicht so schlecht'. Das ist nicht organisierter Rechtsextremismus, sondern es ist in diesem meta-politischen Bereich."
"Mit Aufklärung gegensteuern"
Gegensteuern könne man nur, indem man die Jugendlichen darüber informiere, was wirklich hinter den simplen Botschaften stehe, so Schweidlenka.
Laut Vollath betreffe diese Tendenz die gesamte Bevölkerung.
"Jugendliche sind Spiegel der Gesellschaft"
Es seien aber nicht nur viele Jugendliche vom Rechtsruck betroffen, so Jugendlandesrätin Bettina Vollath (SPÖ): Die Tendenz gebe es in der gesamten Bevölkerung, Jugendliche würden es nur offener sagen. "Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu wenig um das Zusammenleben gekümmert", so Vollath .
Infostelle für antidemokratische Strömungen
Schweidlenkas Servicestelle wird nun um eine "Informationsstelle bezüglich antidemokratischer Strömungen" erweitert. Vollath hat das bisherige Budget der Servicestelle von rund 54.000 Euro in diesem Jahr um 9.000 Euro für die Ausweitung der Präventions- und Informationsarbeit im Bereich der antidemokratischen Strömungen erhöht.
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