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MI | 11.04.2012
Dieter Althaus (Bild: APA/EPA/Martin Schutt)
Prozess
Dieter Althaus zu Geldstrafe verurteilt
Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus ist Dienstagabend am Bezirksgericht Irdning wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro verurteilt worden. Der Prozess war von seinem Anwalt kurzfristig beantragt worden.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Geldstrafe und Schmerzensgeld
Althaus wurde zu einer Geldstrafe in der Höhe von 180 Tagsätzen, insgesamt 33.300 Euro, verurteilt. Darüber hinaus muss Althaus dem Ehegatten des Unfallopfers 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
"Keine Strafe ist so schwerwiegend, wie wenn man ein Menschenleben auf dem Gewissen hat", so der Richter.
Mildes Urteil nach reumütigem Geständnis
Der Richter begründete das Urteil damit, dass man mit einer Geldstrafe ausgekommen sei, weil keine Erschwernis-, aber zahlreiche Milderungsgründe wie ein reumütiges Geständnis vorlägen. Letztlich könne keine Strafe so schwerwiegend sein wie die psychische Belastung, wenn man ein Menschenleben auf dem Gewissen habe, sagte der Richter.
Althaus war nicht persönlich erschienen.
Althaus-Anwalt nahm Urteil an
Der Anwalt habe im Namen seines Mandaten das Urteil angenommen, so die Sprecherin des Gerichtes, Sabine Anzenberger. Der Staatsanwalt habe das noch nicht getan - das Urteil sei daher noch nicht rechtskräftig, sagte die Sprecherin.
"Ich stehe zu meiner Verantwortung"
Dieter Althaus bekräftigte nach der Verurteilung seine Verantwortung für den Skiunfall: "Ich stehe zu meiner Verantwortung, die sich aus der Rekonstruktion des Unfallhergangs ergibt, auch wenn ich mich an den Skiunfall am Neujahrstag nicht erinnern kann", heißt es in einer am Dienstag von der thüringischen Staatskanzlei verbreiteten Erklärung des Regierungschefs.
Materieller Ausgleich soll sich nicht verzögern
Althaus hoffe, dass der zügige juristische Abschluss des Skiunfalls auch den Interessen der Angehörigen diene und die Würde der getöteten Skifahrerin wahre. Die 41-Jährige war bei dem Zusammenstoß am Neujahrstag ums Leben gekommen. "Wichtig ist mir, dass sich zumindest der materielle Ausgleich gegenüber den Hinterbliebenen nicht verzögert."
Die 5.000 Euro Schmerzensgeld seien nur ein Teilbetrag, so der Anwalt.
Anwalt der Familie nimmt Urteil zur Kenntnis
Der Anwalt der Familie der beim Unfall verstorbenen Skifahrerin sagte, dass er das Urteil zur Kenntnis nehme; bei den 5.000 Euro Schmerzensgeld handle es sich um einen Teilbetrag, das sei in einem Strafverfahren so üblich.
Das Einverständnis aller Beteiligten war nötig.
Richter gab dem Antrag statt
Der Anwalt von Dieter Althaus hatte am Dienstag beim Bezirksgericht Irdning (Bezirk Liezen) einen Antrag für den Verhandlungsbeginn um 16.30 Uhr gestellt. Der Richter gab dem Antrag der Verteidigung statt.

Diese Vorgangsweise ist möglich: "Wenn alle Parteien, nämlich einerseits die Staatsanwaltschaft, andererseits der Angeklagte beziehungsweise sein Machthaber und auch der Privatbeteiligtenvertreter damit einverstanden sind", so die Gerichtssprecherin.
Die Hauptverhandlung fand nur drei Stunden nach Beantragung statt.
Anwalt wollte offenbar wenig Presserummel
Die Medieninformation durch die Gerichtssprecherin erfolgte um 15.23 Uhr, was quasi einem Ausschluss der Medienöffentlichkeit bei der für 16.30 Uhr in Irdning anberaumten Prozess gleichkam. Damit wollte der Anwalt offensichtlich dem Medienrummel entgehen. Diese Vorgangsweise dürfte eine Reaktion auf das drängende Informationsbedürfnis vor allem der deutschen Medien sein.
Gutachten: Fahrfehler von Althaus
Der Ministerpräsident von Thüringen war am Neujahrstag auf der Riesneralm mit einer Skifahrerin zusammengestoßen - die 41-Jährige erlag ihren schweren Kopfverletzungen, Althaus wurde schwer verletzt. Grund für den Zusammenstoß war laut Gutachten ein Fahrfehler von Althaus.
"Kein volles Schuldgeständnis", so der Anwalt.
Althaus habe "Mitschuld" eingeräumt
Noch am Montag hatte es bei der Mitteilung der Anklageerhebung wegen fahrlässiger Tötung unterschiedliche Interpretationen gegeben: Der Anwalt relativierte die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft, Althaus habe in einer schriftlichen Stellungnahme die Verantwortung für den Tod der Frau übernommen.
Anwaltskreise überrascht
Überrascht von dem Blitzprozess zeigt man sich indes in Anwaltskreisen. Richard Soyer, Sprecher der öst. Strafverteidiger, sagt, man habe hier den Eindruck einer gewissen Geheimjustiz: "Ich finde diese Vorgangsweise nicht sehr geglückt. Es ist eine Extrawurst". Ähnlich äußert sich auch der Anwalt der Familie der Verstorbenen, Alexander Rehrl: "Das war sehr kurzfristig, ja".
Ministerium gibt Fehler in Medienarbeit zu
Vom Justizministerium wurden am Dienstag Fehler bei der Pressearbeit im Zusammenhang mit der Anklage gegen Althaus eingestanden. Die von der Staatsanwalt Leoben veröffentlichte Aussendung, in der es u.a. hieß, dass Althaus die "Verantwortung für den Tod" der 41-jährigen Skifahrerin übernehme, sei so nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen.
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