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MI | 11.04.2012
Franz Wegart (Bild: ORF)
Politik
Franz Wegart ist tot
Der ÖVP-Politiker Franz Wegart ist in der Nacht auf Samstag im 91. Lebensjahr gestorben. Der ehemalige Landtagspräsident hat die steirische Landespolitik über viele Jahre mitgeprägt. Bis zuletzt war Wegart Obmann des steirischen ÖVP-Seniorenbundes.
Landarbeiter und Frontsoldat
Franz Wegart wurde am 25. Juli 1918 in Neudörfl bei Bad Radkersburg geboren. Er arbeitete zunächst als Landarbeiter und musste im November 1939 in den Krieg.

"Dann ging es an die Front, Leningrad, Griechenland, Kreta, Norwegen und die russische Front vom Norden bis zum Süden. Ich bin zu meinem Glück am 4. Mai 1945 verwundet worden. Das hat mir die Gefangenschaft bei den Partisanen erspart. Ich wüsste sonst nicht, ob ich hier wäre", sagte Wegart einmal.
Franz Wegart war durch und durch Politiker und 44 Jahre im Landtag tätig.
Vom Parteisekretär zum Landtagspräsidenten
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es Franz Wegart in die Politik. Er wurde Landesparteisekretär der steirischen ÖVP, danach Landtagsabgeordneter und war von 1961 bis 1985 als Landesrat unter anderem für den Tourismus zuständig.

Von 1971 bis 1985 war er auch Landeshauptmannstellvertreter. Bis Oktober 1993 war Wegart Landtagspräsident.
Franz Wegart als Landtagspräsident (Bild: ORF)
"Mut zum Konflikt und zum Konsens"
Nach 44 Jahren im Landtag zog sich Wegart mit 75 Jahren aus der Tagespolitik zurück. In seiner Abschiedsrede sagte er über sein politisches Credo: "Ich nehme als eine große Erinnerung aus diesem Hause mit, dass wir bei aller Wahrung aller politischen Positionen uns niemals persönlich verletzt haben. Sondern dass wir den Mut zum Konflikt aber ebenso den Mut zum Konsens hatten."
"Der Herrgott hat es mit mir besonders gut gemeint."
"Traumhaft schöne Zeit in der Politik"
Aber auch nach seinem Abschied aus dem Landtag, war Wegart nur in Pension und nicht im Ruhestand. So war er Bundesobmann des ÖVP-Seniorenbundes und hatte bis zuletzt die Funktion des steirischen Seniorenbund-Obmanns inne. In einem Interview zu seinem 85. Geburtstag im Jahr 2003 sagte Wegart über seine Zeit in der Politik:

"Es war eine traumhaft schöne Zeit. Ich habe die Möglichkeit gehabt, in einer Aufbruchsstimmung mitarbeiten zu können. Der Herrgott hat es mit mir besonders gut gemeint."
"Glück auf für alle Tage"
Ein Markenzeichen von Franz Wegart, in dessen Zeit als Tourismuslandesrat unter anderem das grüne Steiermark-Herz erfunden wurde, war der Abschluss seiner Reden: "Glück auf für alle Tage."

Wegart starb in der Nacht auf Samstag um 23.15 Uhr im Grazer Albert-Schweitzer-Hospiz.
Hermann Schützenhöfer gilt als politischer Ziehsohn Wegarts.
Schützenhöfer: Verneige mich in Dankbarkeit
Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP), der als Wegarts politischer Ziehsohn gilt, sagte in einer ersten Reaktion: "Ich verneige mich in großer Dankbarkeit vor dem politischen Lebenswerk meines väterlichen Freundes Franz Wegart. Er hat Zeit seines politischen Wirkens die Versöhnungspolitik gelebt."

Der Südsteirer sei ein glühender Europäer gewesen, "vor allem aber ein Politiker, der davon beseelt war, alles nur Denkbare zu tun, dass die Menschen Arbeit und Brot haben".
Voves: Er wird uns sehr fehlen
"Er wird uns sehr fehlen", meinte Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) zum Ableben Wegarts. Dieser habe in Erkenntnis der Erfahrungen aus Bürgerkrieg und Weltkrieg das versöhnliche Miteinander der beiden großen Parteien in den Vordergrund gestellt und damit "wesentlichen Anteil am Wiederaufbau unserer Steiermark gehabt".
Trauersitzung des Landtags
Der Präsident des Landtag Steiermark, Siegfried Schrittwieser, lädt für Dienstag den 3. Februar um 11.00 Uhr zu einer öffentlichen Trauersitzung des Landtags ein.
Grosz: Ein ganz großer Steirer
Der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz zeigte sich ebenfalls tief betroffen: "Mit Präsident Franz Wegart verliert unser Land einen ganz großen Steirer, einen der letzten geradlinigen und ehrlichen Politiker mit Handschlagqualität, zu dem man aufschauen konnte."
Nagl: Wichtige Impulse gesetzt
Wegart sei ein Mensch gewesen, der wichtige Impulse gesetzt habe, so der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP): "Sein väterlicher Ratschlag, seine disziplinierte Art Politik zu machen wird den Menschen in Stadt und Land fehlen."
Josef Pröll betroffen über Ableben
Auch Vizekanzler, ÖVP-Chef Josef Pröll würdigte die "großen Verdienste" des ehemaligen steirischen Landtagspräsidenten und bezeichnete Wegart als "großartigen Politiker, der stets die Menschen und das Gemeinsame in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt hat."
Andreas Kohl hatte Franz Wegart noch in der Woche vor seinem Tod besucht.
Kohl: Seniorenbund trauert
Als "großen Kämpfer und guten Menschen" beschrieb der Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes, Andreas Khol, den Verstorbenen. Wegart war von 1988 bis 1992 in dieser Funktion tätig. "Seine Kraft schöpfte er aus seinem tiefen Glauben, sein Auftrag war die Arbeit für die Menschen", so Khol.
ÖGB-Schachner: Hatte Gemeinwohl im Auge
Auch im steirischen ÖGB zeigte man sich betroffen. "Franz Wegart hatte eine politische Streitkultur, die in der Sache hart, aber nie persönlich verletzend war und immer das Gemeinwohl im Auge hatte", so der steirische ÖGB-Chef Horst Schachner.
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