Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
NS-Mahnmal am Grazer Burgtor (Bild: ORF.at)
Zeitgeschichte
NS-Mahnmal beim Grazer Burgtor
Beim Grazer Burgtor ist am Dienstag ein Mahnmal enthüllt worden, das an die Verbrechen der NS-Zeit erinnern soll. Mittels Textpassagen soll die Frage nach der Mitverantwortung der Bevölkerung für die Reichweite der Nazi-Verbrechen gestellt werden.
Der damalige steirische Landeshauptmann Sigfried Uiberreither floh nach Kriegsende.
"Schäme dich nicht nur für mich"
"Passant, willst du wissen (...), wie du dich krümmst, wenn du der Macht verfällst, zu ihrem Spielball und Opfer wirst?"

Mit solch mahnenden Worten wird Passanten seit Dienstag beim Durchschreiten des Burgtores die Frage nach der Mitverantwortung der Bevölkerung für die Verbrechen der Nazi-Zeit gestellt.

"Ich, Sigfried Uiberreither (...) ging hier (...) meiner Arbeit nach. Ich brachte als Landeshauptmann der Steiermark und in der Ausübung meiner sonstigen Ämter viele Menschen um. Ich tat es nicht alleine. (...) Wenn du durch das Tor gehst, schäme dich nicht nur für mich. (...)."
Uiberreither floh nach Kriegsende
Der deutsche Künstler Jochen Gerz lässt in seiner Textinstallation in den Burgtorbögen den steirischen "NS-Reichstatthalter" bzw. Gauleiter Sigfried Uiberreither nach Komplizenschaft und Mitverantwortung fragen. Das Mahnmal wurde am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert.

Uiberreither bekleidete von 1938 bis 1945 das höchste politische Amt in der Steiermark (Landeshauptmann bzw. Reichstatthalter). Er war verantwortlich für zahlreiche Kriegsverbrechen, konnte aber nach Kriegsende noch vor einer bevorstehenden Auslieferung nach Jugoslawien fliehen. Spätestens seit den 1950er-Jahren lebte und arbeitete er unter dem neuen Namen Friedrich Schönharting in Deutschland, wo er 1984 starb.
Das Mahnmal soll die NS-Verbrechen auch in der Gegenwart zum Thema machen.
Auseinandersetzung auch in der Gegenwart
Nicht nur die Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch ein Auseinandersetzen mit der Gegenwart soll dieses Mahnmal mit sich bringen, wünschte sich Werner Fenz, Leiter des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Außerdem solle es für mehr Zivilcourage und für mehr "Handeln gegen Bequemlichkeit und Vertuschung" stehen, so Landeshauptmannstellvertreter Kurt Flecker (SPÖ).
Persönliche Erinnerungen ans NS-Regime
Das vom Land Steiermark finanzierte Erinnerungsprojekt "63 Jahre danach" wird im kommenden Jahr von Jochen Gerz fortgesetzt. Ausgehend von historischen Bildern soll die Bevölkerung persönliche Erinnerungen an den Alltag im NS-Regime einbringen, denn "Demokratie ist öffentliche Autorenschaft", so Gerz am Dienstag. Die Resultate des Projekts sollen am Ende an zahlreichen Orten in der Steiermark öffentlich sichtbar sein.
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