Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Schaum auf der Raab. (Bild: ORF)
Raab-Schaum
Wollsdorf Leder geht in Offensive
Im Konflikt um den Schaum auf der Raab geht die Lederfabrik Wollsdorf jetzt in die Offensive. Das Unternehmen stellte am Freitag ein Programm vor, wie die Abwasserbelastung und damit die Schaumbildung verringert werden soll.
Greenpeace: Wollsdorf mitverantwortlich
Der oststeirische Lederhersteller Wollsdorf lässt die Kritik der Umweltschutzorganisation Greenpeace wegen der Verschmutzung der Raab nicht auf sich sitzen. Greenpeace machte das Unternehmen immer wieder für die Schaumbildung auf der Raab mitverantwortlich.
Grenzwerte chemischer Substanzen müssen erhöht werden.
Auflagen für Gerbereien bis 2012
Bis 2012 müssen die österreichischen Gerbereien neue gesetzliche Bestimmungen umgesetzt haben. Das wurde vor einem Jahr mit dem Umweltministerium vereinbart, erläutert Wollsdorf Leder-Geschäftsführer Joachim Haidacher.

Grenzwerte bestimmter chemischer Substanzen müssen erhöht werden - Wollsdorf habe da schon einiges erreicht, so Haidacher.
Wollsdorf habe aus der Presse von den Plänen erfahren.
"Wir sind nie zu Rate gezogen worden"
Vom Bund fühlt sich Wollsdorf Leder aber alleine gelassen. "Wir sind eigentlich nie zu Rate gezogen worden, wie die Grenzwerte erhöht worden sind, ob oder wie das machbar ist. Wir haben aus der Presse erfahren, dass das stattgefunden hat - das ist nicht geschickt", meint Haidacher.
Haidacher fordert eine EU-weite Regelung.
"Greenpeace hackt auf uns Kleinen herum"
Kritik übt Haidacher auch an Greenpeace - die Umweltorganisation würde sich auf ein kleines oststeirisches Unternehmen stürzen:

"Warum versucht man nicht auf EU-Ebene eine Regelung durchzusetzen. Gerade wenn man NGO ist, die ja eigentlich - und das muss man Greenpeace durchaus zu gute halten - nicht ganz machtlos ist. Die können ja was bewegen. Aber das wird nicht gemacht. Ich habe bis heute keine Antwort auf diese Frage bekommen. Man hackt da auf uns, einem kleinen Lederhersteller, herum."
Wollsdorf will Stufen-Plan umsetzen
Wollsdorf arbeite derzeit an einem Zwei-Stufen-Plan, um alle gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen. Dieser Plan solle bis 2010, und damit zwei Jahre früher als mit dem Bund vereinbart, umgesetzt werden.

Die erste Stufe soll bereits heuer abgeschlossen sein - Wollsdorf investiert dafür 1,2 Millionen Euro. So soll 1,5-Naphtalindisulfonat in den Abwässern in den nächsten Monaten um bis zu 70 Prozent gesenkt werden. Mit der zweiten Stufe bis Ende 2010 werde dann die Allgemeine Emissionsverordnung (AEV) Gerberei von 2007 erfüllt.
"Naphtalindisulfonat nicht verantwortlich"
Diese chemische Verbindung sei übrigens nicht verantwortlich für die Schaumbildung auf der Raab, sagte Haidacher. Das 1,5-Naphtalindisulfonat sei nicht verboten, gehöre zu den polaren Tensiden, die nicht Schaum bildend seien - ganz im Gegensatz zu nichtionischen Tensiden, die als Benetzungsmittel in Pflanzenschutzmitteln der Landwirtschaft zu finden seien.
Wollsdorf will Messergebnis überprüfen
Hinsichtlich unterschiedlicher Messergebnisse bei AOX (halogen-organische Substanzen) am 20. August durch das Land Steiermark (0,811 Milligramm pro Liter) und einer eigenen, fremduntersuchten Probe (0,223 mg/l) gehe man von einem Messfehler aus und werde mit dem Land Steiermark Kontakt aufnehmen. Der Grenzwert beläuft sich auf 0,5 mg/l.
Herstellung von Lederlenkrädern
2.200 Häute verarbeitet Wollsdorf pro Tag. 70 Prozent des Umsatzes werden mit der Herstellung von Lenkrädern erzielt.
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