Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Einmarsch 1938 (Bild: ORF)
Gedenkfeiern zu 1938
Politik und Kirche erinnerten an "Anschluss"
Mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich hat 1938 auch in der Steiermark die Schreckensherrschaft des NS-Regimes begonnen. Politik und Kirche erinnerten Mittwochabend an den "Anschluss", den Krieg und seine Opfer.
Gedenkfeier in der Aula der Alten Universität in Graz.
Voves: Schicksalsschwerer Tag
Als am 12. März 1938 Truppen der Deutschen Wehrmacht im Gleichschritt einmarschierten, hörte Österreich mit jedem dieser Schritte mehr auf zu existieren. Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) bezeichnete diesen Tag bei einer Gedenkfeier in der Alten Universität in Graz als schicksalsschweren Tag für Österreich.

"Die Menschen vermochten damals bestenfalls zu erahnen, was ihnen noch bevorstehen sollte. Wir wollen und müssen die Erinnerung an jene Ereignisse wach halten. Niemals wieder darf so etwas geschehen. Deshalb verneigen wir uns voller Demut und Trauer von den Opfern jener Zeit", so Voves.
"Österreich ist nicht unterproportional an Verbrechen beteiligt gewesen."
Konrad: Österreich ist teilweise das Opfer
Die darauffolgende Festrede hielt der Zeithistoriker und ehemalige Rektor der Karl-Franzens-Universität, Helmut Konrad. Er sprach auch die damalige Täter-Opfer-Rolle Österreichs an, Österreich sei teilweise das Opfer gewesen.

"Aber es gibt andererseits die begründete Annahme, dass Österreich nicht unterproportional an den Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt war. Der Antisemitismus hatte bei uns sogar noch stärkere Wurzeln als in Deutschland. Die Steiermark sah sich traditionell als Bollwerk gegenüber dem Südosten", sagte Konrad.
Ökumenischer Gottesdienst in der Grazer Stadtpfarrkirche.
Kapellari mahnt zur Erinnerung
In der Grazer Stadtpfarrkirche gedachten der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari und Superintendent Hermann Miklas am Abend in einem ökumenischen Gottesdienst der Ereignisse im März 1938.

Bischof Kapellari mahnte zur Erinnerung: "Unvergessen mögen hier jene Frauen und Männer unterschiedlicher politischer und religiöser Überzeugung bleiben, die ihren Widerstand gegen das Unrecht mit ihrem Leben bezahlt haben".
"Nicht über einer ganzen Generation nachträglich den Stab brechen."
Miklas: Schuld beim Namen nennen
Superintendent Miklas sagte in seiner Predigt, die Katastrophe habe sich wie ein teuflischer Mechanismus schleichend zugespitzt. Das Schreckensregime der Nationalsozialisten wurde über Jahre hinweg von einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung getragen, so Miklas.

Er rief dazu auf, Sünden zu bekennen: "Es kann nicht unsere Aufgabe sein, über einer ganzen Generation nachträglich den Stab zu brechen. Sehr wohl aber ist es angebracht, Schuld beim Namen zu nennen, auch die Mitschuld unserer Kirchen".
Frage nach dem Warum
Der "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich und die darauffolgenden Jahre forderten Millionen Menschenleben. Es sollte noch Jahre dauern, bis Österreich wieder zu existieren beginnen konnte. Was bleibt, ist die Erinnerung und sehr oft auch die Frage nach dem Warum.
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