Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Forstschäden (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Nach Sturm "Paula"
91 Mio. Euro Schaden im steirischen Wald
"Die Sturmkatastrophe sprengt alle Grenzen und stürzt die Forstwirtschaft in die Krise" - so lautet das dramatische Resümee der steirischen Landwirtschaftskammer bei einer ersten Schadensbilanz nach dem Orkan "Paula" vom Sonntag.
Die Landwirtschaftskammer hat einen Krisenstab eingerichtet.
Vier Mio. Festmeter Holz zerstört
In Summe wurden vier Mio. Festmeter Holz zerstört, was einer Gesamtfläche von 14.000 Hektar entspricht.

280 Mio. Euro mittelbarer Schaden
Die unmittelbare Schadenssumme - ausschließlich bezogen auf den Wertverlust des Holzes - beträgt über 91 Mio. Euro. Noch größer sei der mittelbare Schaden, der auch die Kosten für die Wiederaufforstung und den Einnahmeentfall beinhalte: Laut Landwirtschaftskammer beträgt er 280 Mio. Euro.
Um die Menge an Bruchholz zu bringen, sind laut Kammer 150 Erntemaschinen, 120 Seilkräne und 110 Lkws mit 550 Forstarbeitern ein Jahr lang im Einsatz. Rein rechnerisch sind für den Abtransport des anfallenden Holzes 62.000 Eisenbahnwaggons notwendig, die aneinandergereiht einen Zug von Graz bis Rom ergeben würden.
Für den Bezirk Graz-Umgebung wurde am Freitag in zahlreichen Gemeinden ein Betretungsverbot für Waldgebiete ausgesprochen.
Zugespitzt werde die Lage dadurch, dass weitere 500.000 Festmeter Schneebruchholz vom vergangenen Herbst noch in den steirischen Wäldern liegen. Sie konnten wegen der Schneeverhältnisse noch nicht aufgearbeitet werden.

"Viele Existenzen bedroht"
"Die Existenzen vieler Waldbesitzer sind bedroht", so Kammer-Vizepräsident Hans Resch am Freitag, der rasche und unbürokratische Hilfe fordert - in der Steiermark seien rund 1.000 Waldbesitzer betroffen. Die betroffenen Regionen müssten als Katastrophenschutzgebiete ausgerufen werden, fordert Resch; es sei Gefahr in Verzug, weil durch mögliche unvorhergesehene Wettereinbrüche zusätzlich Bevölkerung und Infrastruktur bedroht wären.
Borkenkäfer und Blaufäule drohen
Nur durch rasches Handeln könne nun eine Borkenkäfer-Invasion verhindert werden; zudem könnte - wenn die Temperaturen steigen - bei Bruchholz Blaufäule auftreten.

Für den raschen Abtransport von Schadholz verlangt Resch daher höhere erlaubte Tonnagen; konkret für Fünfachser 46 Tonnen und für Sechsachser 50 Tonnen Transport-Kapazität pro Lkw.
Holzmarkt angespannt
An die Waldbesitzer wird appelliert, nicht die Nerven zu verlieren: Der Frischholz-Einschlag müsse gestoppt werden, um den ohnehin angespannten Holzmarkt nicht völlig kollabieren zu lassen. Der Waldverband Steiermark wolle mit der Holzindustrie garantierte Abnahmepreise für Schadholz aushandeln. Einziger positiver Aspekt: Da nur Österreich von der Windwurfkatastrophe betroffen sei, verursache die Schadholzmenge keine wesentliche Marktstörung in Europa.
Rechbergstraße bleibt bis Mitte März gesperrt.
Noch 100 Haushalte ohne Strom
Die Lage bei der Energieversorgung hat sich weitgehend entspannt: Noch sind laut Energie Steiermark rund 100 Haushalte ohne Strom, sie werden mit Notstromaggregaten versorgt.

Der Schaden am steirischen Stromnetz kann noch nicht genau beziffert werden - er bewegt sich laut Energie Steiermark zumindest im einstelligen Millionenbereich.

Die Reparaturarbeiten könnten sich noch über das ganze Jahr hinziehen, da viele Schäden nur behelfsmäßig repariert wurden, um die Haushalte möglichst schnell wieder mit Strom versorgen zu können.
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