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MI | 11.04.2012
Susanne Winter (Bild: FPÖ Graz)
Susanne Winter
Eklat um rassistische Äußerungen
Die Spitzenkandidatin der FPÖ für die Grazer Gemeinderatswahl, Susanne Winter, hat für einen Eklat gesorgt. In einem Interview sagte sie zu ihrem in Afrika geborenen Gesprächspartner, es liege an seinen Genen, dass er zu wenig Selbstbewusstsein habe.
Winters Gesprächspartner - der gebürtige Nigerianer Fred Ohenhen - wurde, wie er im "Falter"-Gespräch schildert, beschimpft und aus einem Lokal geworfen.
ÖVP-Nagl: "Nationalsozialistische Aussagen"
Mit dieser Aussage dürfte die FPÖ-Frontfrau bei den anderen Parteien das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Das seien unerhörte und nationalsozialistische Aussagen, so Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP), die der Stadt schaden.
Daher müsse klar gestellt werden: "Wenn die Frau Dr. Winter ernst meint, was sie da gesagt hat, ist sie entweder von Natur aus einfältig oder von Natur aus menschenverachtend. Ob solche Eigenschaften bei der Spitzenkandidatin der FPÖ jetzt genetisch vorprogrammiert sind, müssen Ärzte beurteilen, als Bürgermeister muss ich aber die Grazer dringend bitten zu verhindern, dass solche Menschen in unseren Gemeinderat einziehen", so Nagl.
SPÖ-Herper: "Anstreifen am Verbotsgesetz"
SPÖ-Klubobmann Karl-Heinz Herper spricht von "rassenideologischen Äußerungen, die am Verbotsgesetz anstreifen"; die logische Konsequenz könne nur sein, dass der künftige Gemeinderat auf Basis des Fairnessabkommens beschließt, so Herper, "das Förderungsgeld auf Eis zu legen, wenn man derartige Verstöße gegen allen politischen Anstand und gegen alle vernünftigen Regeln, die wir uns gesetzt haben, eintreten, dann muss es Konsequenzen geben".
KPÖ-Parteder: "Gemeinsames Vorgehen"
KPÖ-Vorsitzender Franz Stephan Parteder sagt, die KPÖ werde nicht vorpreschen und hoffe, dass der Fairnessausschuss die richtigen Worte findet und es ein gemeinsames Vorgehen der Parteien gebe.

Grüne-Rücker: "Gruselkabinett entsprungen"
Die Grüne Spitzenkandidatin Lisa Rücker sagt, Winter sei dem "Gruselkabinett des vorigen Jahrhunderts entsprungen. Man könne für Graz nur hoffen, dass sie nach der Wahl wieder eben dorthin verschwindet". Die Grünen fordern ÖVP, SPÖ und KPÖ auf, sich "glasklar von einer zukünfitgen Zusammenarbeit mit FPÖ und BZÖ zu distanzieren".
Menschenrechtsbeirat: "Wahlkampf kippt"
Klaus Starl vom Grazer Menschenrechtsbeirat sagt, das Thema Rasse besetze im Wahlkampf Gott sei Dank nur die FPÖ, "solch grober Unfug und Schwachsinn bringe den Wahlkampf zum Kippen", so Starl.
Humangenetiker: "Ziemlicher Unsinn"
Wissenschaftlichen Hintergrund haben die Aussagen Winters jedenfalls keinen. Für Michael Speicher vom Institut für Humangenetik an der Universität Graz ist nicht erwiesen, dass Charaktereigenschaften rein genetisch vererbt werden können.
"Ich halte das, was die Frau Winter gesagt hat, für einen ziemlichen Unsinn. Wir kennen die Gene überhaupt nicht, die für Verhaltensweisen wie Unterwürfigkeit oder Selbstbewusstsein verantwortlich sind, das heißt, es gibt momentan überhaupt keine Möglichkeit, so eine These zu untersuchen, ob in verschiedenen Rassen diese Gene irgendwie unterschiedlich sind. Von daher ist diese Aussage völlig haltlos, und es gibt keine wissenschaftliche Daten, die das irgendwie belegen", so Speicher.
Diözese: Ohenhen ist wichtiger Brückenbauer
Fred Ohenhen leiste seit vielen Jahren wertvolle Arbeit zur Friedenserziehung in Kooperation mit kirchlichen Einrichtungen und in der interkulturellen Arbeit, heißt es von der Diözese Graz-Seckau: "Er weiß, wovon er spricht. Er kennt die österreichische und die afrikanischen Kulturen aus eigener Erfahrung. Viele, die sich im Umgang mit Menschen anderer Kulturen schwer tun, haben ihn als großartigen Brückenbauer kennen und schätzen gelernt."
FPÖ-Veranstaltung nicht im Heimatsaal
Die steirische FPÖ muss sich für eine Veranstaltung mit Susanne Winter und Filip Dewinter vom belgischen Vlaams Belang einen anderen Ort als den Heimatsaal im Joanneum suchen. Kulturreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Kurt Flecker (SPÖ) stellte am Mittwoch klar, dass die Räumlichkeiten nicht für Wahlkampfveranstaltungen zur Verfügung stehen.
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