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MI | 11.04.2012
Martin Bartenstein (Bild: APA)
Schloss Lannach
Historiker: Minister hat von KZ nichts gewusst
Für Wirbel sorgte im letzen Jahr die NS-Vergangenheit des Schlosses von Minister Martin Bartenstein (ÖVP). Bartenstein beteuerte, von dem Außenlager des KZ Mauthausen nichts gewusst zu haben. Eine Historikerstudie gibt ihm nun Recht.
Die wissenschaftliche Studie über die Vorkommnisse im Schloss Lannach während der NS-Zeit gab Bartenstein bei dem Grazer Historiker Stefan Karner selbst in Auftrag.
Hinweise im Internet
Im Schloss Lannach waren von März 1944 bis Mai 1945 neun KZ-Insassinnen, allesamt Zeuginnen Jehovas, interniert. Sie arbeiteten in einem Institut für Pflanzengenetik, das die SS dort unterhielt. Es sei nachvollziehbar, dass Minister Bartenstein von alldem nicht gewusst hat, obwohl sich im Internet unter anderem auch auf der Homepage des Konzentrationslagers Mauthausen sehr wohl entsprechende Hinweise finden, sagt Karner.
Stefan Karner: "Nach allem, was wir geforscht haben, konnte ein Lannacher, der nicht ein ausgewiesener Forscher für Zeugen Jehovas ist, das nicht wissen. Ich habe davon das erste Mal im Jahr 2006 erfahren."

Die Frauen trugen nämlich keine KZ-Uniform und rund um das Schloss gab es keinen Zaun, so Karner.
Alle überlebten
Die Zeuginnen Jehovas stammten aus Deutschland, Polen und dem heutigen Tschechien. Sie wurden vor allem für die Feldarbeit eingesetzt. Ihnen ging es im Vergleich mit anderen KZ-Häftlingen noch relativ gut, sagt Heide Gsell vom Archiv der Zeugen Jehovas. Sie hatten bessere Lebensbedingungen und auch eine bessere Behandlung erfahren. Alle neun Frauen überlebten.
"Kein Konnex der Familie Bartenstein und den Vorkommnissen in der NS-Zeit"
Gedenktafel soll angebracht werden
Die Familie Bartenstein übernahm das Schloss in den sechziger Jahren, so Stefan Karner: "Es gibt keinen Konnex zwischen der Familie Bartenstein und den Vorkommnissen im Schloss während der NS-Zeit.

Bartenstein will nun auf die Studie reagieren und in den nächsten Monaten eine entsprechende Gedenktafel vorbereiten. Sie soll an jenem Nebengebäude angebracht werden, in dem die Frauen untergebracht waren.
Grüne: Kritik an Historiker
Die steirischen Grünen kritisieren das Gutachten des Historikers Stefan Karner zur NS-Vergangenheit des Schlosses Lannach. Es sei sonderbar, dass ein Historiker wie Stefan Karner erst voriges Jahr von der Vergangenheit des Minister-Anwesens erfahren haben will, kritisiert Editz Zitz von den Grünen.
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