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MI | 11.04.2012
Oscar Klein (Bild: APA)
Gebürtiger grazer
Jazz-Legende Oscar Klein gestorben
Die österreichische Jazz-Legende Oscar Klein ist am Dienstagnachmittag im Alter von 76 Jahren in Deutschland gestorben. Laut der Schwester des gebürtigen Grazers kam sein Tod völlig unerwartet.
Oscar Klein sei nicht krank gewesen. An seinem 77. Geburtstag am 5. Jänner wäre in Innsbruck sogar ein Konzert geplant gewesen, so die Schwester.
200 Tonträger - 55 Jahre auf der Bühne
Klein war so etwas wie eine Symbolfigur des "alten" Jazz in Österreich - der Musiker Klein stand für Dixieland, Swing und Blues. Der gebürtige Grazer, der auf eine internationale Karriere und knapp 200 eigene Tonträger verweisen kann, stand über 55 Jahre lang auf der Bühne.
Klein war nicht nur eine musikalische Symbolfigur, sondern auch eine für Toleranz.
Von den Nationalsozialisten vertrieben
Am 5. Jänner 1930 in Graz in eine jüdische Familie geboren und als Kind von den Nationalsozialisten aus der Heimat vertrieben, hätte Klein eigentlich wenig Grund für freundschaftliche Österreich-Gefühle gehabt.

Klein sprach sieben Sprachen
Aber der Kosmopolit, der sieben Sprachen sprach, war nicht nur eine musikalische Symbolfigur, sondern auch eine der Toleranz. Für ihn war Jazz und Blues "völkerverbindende Musik".
Freundschaft mit Romano Mussolini
Die Emigration in die Schweiz, wo Klein auch lange Zeit lebte, führte die Familie über Italien, wo Klein einige Zeit im Konzentrationslager verbrachte. Trotzdem verband ihn eine Freundschaft mit dem Jazz-Pianisten und Komponisten Romano Mussolini, dem Sohn des "Duce". Ihren musikalischen Niederschlag fand diese Verbindung in der 1994 erschienenen CD "Oscar Klein's Jazz Show".
Gelernter Grafiker, Autodidakt
Der gelernte Grafiker Klein war musikalischer Autodidakt und konnte keine Noten lesen. Bekannt wurde er vor allem als ausdrucksstarker Trompeter im Chicago-Stil, er spielte aber auch Gitarre, Klarinette und Mundharmonika.
Mit Zawinul bei "Fatty George"
Klein begann seine Laufbahn wie Joe Zawinul in der Band des beleibten Klarinettisten "Fatty George", um den sich in den fünfziger Jahren die Wiener Jazz-Szene scharte. Später wechselte er zu den Baseler Tremble Kids, leitete eigene Ensembles wie die European Dixieland All Stars und ging mit der Dutch Swing College Band auf Tournee. Er musizierte mit Jazz-Größen wie Bill Coleman, Joe Turner, Lionel Hampton und Cootie Williams, mit dem er oft verglichen wurde.
Markenzeichen Kapitänsmütze
Daneben tourte der Musiker jahrelang mit seinem Markenzeichen, der Kapitänsmütze, durch Schulen, um mit einer anschaulichen Geschichte des Jazz den Nachwuchs heranzubilden.

Pädagogisch erfolgreich
Denn wenn Klein schon der Entwicklung des Jazz in eine dissonante und amelodiöse Richtung ohne Rhythmik nichts abgewinnen konnte, so hörte sich seine Toleranz beim "akustischen Dreck" wie Hip-Hop, dem die heutige Jugend ausgesetzt sei, ganz auf. Auch privat war Klein pädagogisch erfolgreich. Seine beiden Söhne David und Peter sind ebenfalls Musiker geworden.
In den vergangenen Jahren spielte Klein vorwiegend mit jungen österreichischen Musikern. So entdeckte er 1998 Heini Altbart und machte ihn seither zu seinem ständigen Begleiter am Schlagzeug.
Ehrenmedaille der Stadt Wien in Silber
Vor einem Jahr wurde der Musiker schließlich im Wiener Rathaus mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber ausgezeichnet. Er habe zur Vielfalt und zum Reichtum des Wiener Kulturlebens maßgeblich beigetragen, hieß es damals. Zuletzt lebte Klein mit seiner Frau in Plüderhausen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg.
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