Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Akten
Prozess
Mutter im Wochenbett fast gestorben
Weil sie die Wochenbettinfektion einer Patientin nicht rechtzeitig behandelt hatten, haben sich am Dienstag ein Grazer Gynäkologe und eine praktische Ärztin vor Gericht verantworten müssen. Die Frau wäre beinahe gestorben.
Ironie des Schicksals: Genau jener Arzt, der einer 31 Jahre alten Frau mittels künstlicher Befruchtung zu ihrem Mutterglück verholfen hatte, soll laut Anklage auch dafür verantwortlich sein, dass sie beinahe nach der Geburt ihres Sohnes gestorben wäre.
Falsche Diagnose gestellt
Im Oktober 2003 wurde die damals 31-Jährige einem Grazer Sanatorium von ihrem Kind entbunden, was nach Angaben des behandelnden Arztes ohne Komplikationen geschah. An den folgenden Tagen klagte sie über große Schmerzen, Übelkeit und Schwindelgefühl. Der Gynäkologe führte die Symptome auf Nachwehen zurück und verabreichte ein Schmerzmittel.
"Ich glaube, ich muss sterben"
Tags darauf hatte die Frau bereits Blutungen, Schüttelfrost und Krämpfe. Schließlich wurden die Schmerzen so unerträglich, dass die Frau ihrem Mann ein SMS schickte, mit den Worten: Ich glaube, ich muss sterben.
Massive Blutvergiftung
Schließlich wurde ein weiterer Arzt beigezogen und die Frau ins LKH verlegt, wo eine "massive Wochenbettinfektion", eine Blutvergiftung, festgestellt wurde.
Notoperation, Herzstillstand
Die Frau wurde notoperiert, erlitt zwei Mal einen Herzstillstand, konnte aber wiederbelebt werden. Ein wochenlanger Aufenthalt auf der Intensivstation folgte. Seit damals hat sie einen künstlichen Darmausgang.
Staatsanwalt: Nicht ausreichend untersucht
Die Staatsanwaltschaft warf dem 61 Jahre alten Facharzt vor, er habe die Patientin nicht ausreichend untersucht, es seien nur Schmerzmittel verabreicht worden und die Dosis dieser Mittel erhöht. Auch eine Stationsärztin des Sanatoriums war mitangeklagt.
Ärzte fühlen sich unschuldig
Beide Ärzte fühlten sich vor Gericht in keiner Weise schuldig. "Die Schwangerschaft war ohne Komplikationen, es war auch ein normaler Wochenbettverlauf", so der Angeklagte. Er gab an, jeden Tag ein Mal nach seiner Patientin gesehen zu haben. Ob er sie dabei auch wirklich untersucht hat, ließ sich nicht klären: Der Arzt meint ja, die Frau bestreitet das.
Aufzeichnungen gibt es keine, denn "die Dokumentation habe ich nicht durchgeführt, das muss ich gestehen", so der Arzt. "Das ist ungeschickt", entgegnete der Richter. "Jetzt mache ich es anders, jetzt schreibe ich jede Kleinigkeit auf", erklärte der Angeklagte.
20 Zeugen geladen
Die Verhandlung wurde vertagt. Bei den nächsten Verhandlungsterminen werden über 20 Zeugen sowie mehrere Gutachter gehört werden.
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