Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Wölfe (Bild: APA)
Herberstein-U-Ausschuss
Ließ Tierparkdirektor Wölfe erschlagen?
Im Herberstein-Ausschuss haben zwei Zeugen am Donnerstag massive Kritik an Tierparkdirektor Andreas Kaufmann geübt. Thema war sowohl sein Umgang mit den Mitarbeitern als auch mit den Tieren. Der Direktor weist die Vorwürfe zurück.
Geparden-Laufstrecke auf Sumpfgebiet
Das viel gerühmte Gepardengehege mit der längsten Laufstrecke Europas ist eigentlich ein als Geparden-Laufstrecke ungeeignetes Sumpfgebiet, sagte etwa eine Tierpflegerin am Donnerstag als Zeugin aus.
Der frühere Gutsverwalter Heinz Boxan machte in seinen Aussagen Tierparkdirektor Kaufmann für den Tod von jungen Geparden verantwortlich: Nicht eine Mitarbeiterin habe sie im Jahr 1997 zu Hause zu Tode gepflegt, wie Kaufmann im Untersuchungsausschuss ausgesagt habe; gestorben seien die Tiere erst danach, als sie wieder im Tierpark waren.
Wölfe mussten erschlagen werden
Sowohl Boxan als auch die Tierpflegerin berichteten am Donnerstag im Zeugenstand, dass zwei Wochen alte Wölfe im Auftrag von Kaufmann erschlagen worden seien, weil der Tierarzt sich geweigert habe, sie einzuschläfern; sie selbst habe das machen müssen, sagte die Pflegerin.
In einem anderen Jahr seien junge Wölfe mit dem Kot von Wölfen einer anderen Rasse eingeschmiert worden, damit sie nicht überleben - auch das im Auftrag von Kaufmann.
Cholerische Anfälle
Die Pflegerin berichtete außerdem von Problemen und Fehlern bei der der Haltung von Pelikanen und Bisons und spricht von cholerischen Anfällen des Tierparkdirektors. Es sei schwer, neben ihm zu bestehen, formulierte Ex-Gutsverwalter Boxan; deshalb hätten viele Mitarbeiter den Betrieb verlassen.
Kaufmann: "Vorwürfe aus gekränkter Eitelkeit"
Kaufmann wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück: Die Pflegerin habe offenbar ein Problem damit, dass sie nicht Revierleiterin innerhalb des Tierparks geworden ist. "Aus gekränkter Eitelkeit" erhebe sie jetzt Vorwürfe. Von der angeblichen Tötung junger Wölfe wisse er nichts, bzw. habe er im Untersuchungsausschuss bewiesen, dass diese Vorwürfe nicht stimmen würden. Mit den Geparden habe er nichts zu tun gehabt, betonte er abermals.
Telefonieren führte zu Kostenexplosion
Was die wirtschaftliche Seite betrifft, sagte der frühere Gutsverwalter Boxan, dass der Tierpark zumindest zu seiner Zeit gewinnbringend geführt hätte werden können. Neben problematischen Investitionen hätten aber überhöhte Ausgaben für Autos und exzessives Telefonieren im Herbersteinschen Betrieb für eine Kostenexplosion geführt. Diese Kosten seien in zu hohem Ausmaß dem Tierpark zugerechnet worden.
Offensichtlich keine Kontrollen
Das Land, so der frühere Gutsverwalter, hätte die Kostenexplosion leicht erkennen können - durch Einsicht in die Bilanz und Konten, doch es seien offensichtlich keine Kontrollen erfolgt.
Herberstein nimmt Direktor in Schutz
Maximilian Herberstein wehrte sich am Donnerstag gegen die Vorwürfe und nahm den Direktor in Schutz. Die Geparden-Laufstrecke etwa sei von zahlreichen Zooexperten gelobt worden und von den Behörden genehmigt; außerdem werde dieses Projekt vom Wiener Tiergarten Schönbrunn mitfinanziert.
"Nur eine Person ausgeschieden"
Zum angeblich schlechten Betriebsklima sagte Herberstein, in den vergangenen 15 Monaten sei nur eine Person aus dem Unternehmen ausgeschieden.
Hampson kam wieder nicht
Kein Thema im Untersuchungsausschuss war im heutigen Ausschuss die Selbstanzeige Boxans, in der es vor allem um "schwarz" verkaufte Karten und umgeschriebene Rechnungen geht - das ist aber Thema der Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft.

Und beim Untersuchungsausschuss
ist Opernsänger Thomas Hampson auch heute nicht erschienen. Der Lebensgefährte von Andrea Herberstein ließ sich bereits zum zweiten Mal entschuldigen.
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