Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Kraftwerk Voitsberg (Bild: ORF)
Energie aus Braunkohle
Kraftwerk Voitsberg vor dem Aus
Die Tage des Dampfkraftwerkes Voitsberg scheinen gezählt zu sein. Weil die letzten Braunkohlevorräte in der Region aufgebraucht sind, wird das Werk vermutlich in Kürze stillgelegt. 90 Mitarbeiter sind betroffen.
Ob das Kraftwerk in irgendeiner Form weitergeführt werden kann, ist mehr als fraglich. Ende der Woche dürften die letzten Vorräte aufgebraucht sein. "Dann wird das Werk stillgelegt", bestätigt Verbund-Direktor Anton Smolak.
Sozialplan für Mitarbeiter
Für die Mitarbeiter seien Sozialpläne erarbeitet worden, die meisten von ihnen sollen in anderen Konzerngesellschaften untergebracht werden, womöglich aber in anderen Bundesländern, sagt der Verbund-Zentralbetriebsratsvorsitzende Kurt Christof.
"Zukunft Gaskraftwerke"
Notwendig sei dieser Schritt unter anderem, weil die österreichische Energiepolitik völlig neu geordnet werde, so Christof.

"Es wird in Zukunft Kraftwerke geben, die eine hohe Effizienz aufweisen, die hoch ökonomisch und ökologisch sind. Dem können wir uns auch in Österreich nicht verschließen. Die Zukunft wird bei Gaskraftwerken liegen."
Umstellung auf Biomasse wird geprüft
Pläne, wonach das Kraftwerk Voitsberg auf Steinkohle oder Biomasse umgerüstet werden und so wieder in Betrieb gehen könnte, sind noch nicht ganz vom Tisch.
Bei einer Umrüstung würde sich die Energie Steiermark an den Kosten beteiligen, heißt es aus dem Büro von Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ). Derzeit werde geprüft, ob sich eine solche Umrüstung wirtschaftlich rechnen würde.
"Bedenklicher Schritt"
Kritik an der Stilllegung des Kraftwerkes kommt vom Voitsberger Bürgermeister Ernst Meixner (SPÖ), der auch Gespräche mit dem Verbund geführt hat.
"In Zeiten, in denen man in Deutschland Braunkohlekraftwerke ausbaut, weil die Energiepreise sehr hoch sind, scheint das mehr als bedenklich, wenn man Braunkohlekraftwerke stilllegen will."
Neue Investoren sind gefragt
Was die etwa 90 Mitarbeiter betrifft, glaubt Meixner an eine vorübergehende Stiftungsvariante als Überbrückungshilfe. Mittelfristig will man versuchen, mögliche Investoren durch veschiedene Projekte in die Region zu bringen, um so neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Kritik von ÖVP und Grünen
Heftige Kritik an der bevorstehenden Schließung des Kraftwerks Voitsberg kommt von der steirischen ÖVP und den Grünen. Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) habe immer angekündigt alles Erdenkliche zum Erhalt des Kraftwerks zu tun. Diese Ankündigungen habe Voves vergessen, heißt es von ÖVP-Landesgeschäftsführer Hannes Missethon.

Und Grünen-Klubobfrau Ingrid Lechner-Sonnek sagt, die Schließung diene nur dazu, dass der Verbund noch stärker auf Atomstrom setzen könne. Die Grünen, wie auch der Voitsberger KPÖ-Bezirkssprecher Klaus Pibernig plädieren für eine Weiterführung und Umrüstung des Kraftwerkes.
SPÖ: Problem sind "Stranded costs"
Aus dem Büro des SPÖ-Landesgeschäftsführers Anton Vukan heißt es dazu, die Entscheidung über die Zukunft des Kraftwerkes Voitsberg liege ausschließlich beim Mehrheitseigentümer Verbund.

Landeshauptmann Franz Voves habe in seiner Funktion als Beteiligungsreferent sofort die Energie Steiermark ersucht, in konkrete Verhandlungen über eine Umrüstung des Kraftwerkes von Braun- auf Steinkohle zu treten. Das entscheidende Problem bei einer Wirtschaftlichkeitsrechnung für eine Umrüstung seien aber die sogenannten "Stranded costs" im Ausmaß von 93 Mio. Euro, die für die Stilllegung des Kraftwerkes Voitsberg an die Beteiligten seitens der EU bereits geflossen seien, betont SPÖ-Landesgeschäftsführer Toni Vukan.
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