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MI | 21.03 | 17:31
Waldameise (Bild: ORF)
Wer will "Waldameisenheger" werden?
Waldameisen können ganz schön biestig sein, wenn es um ihre Hügel geht. Im obersteirischen Pichl werden zurzeit in einem viertägigen Kurs 18 Österreicher zu offiziell anerkannten Umsiedlern von Waldameisen ausgebildet.
Durch Straßen bedroht
Martin Krondorfer, Chef der Forstlichen Ausbildungsstätte (FAST), ist überzeugt, dass die Ausbildung zum "Ameisenheger" notwendig ist: "Hügel bauende Waldameisen stehen unter Naturschutz. Wenn es durch Baumaßnahmen wie die Verbreiterung einer Straße zur Bedrohung ihrer Hügel kommt, muss es Menschen geben, die die Ameisen kompetent umsiedeln können".
Weil es bis jetzt noch keine anerkannte Ausbildung für die Umsiedelung von Waldameisen gegeben hat, hat das steirische Landwirtschaftliche Fortbildungsinstitut zusammen mit der FAST Pichl und der Naturschutzabteilung des Landes den Kurs organisiert.
"Ein heikler Haufen"
Entscheidend bei einer Umsiedelung der Ameisen seien die Vorarbeiten, erklärt Krondorfer, also die Artenbestimmung und vor allem die Platzsuche, "denn die Waldameisen sind ein heikler Haufen, was ihren Wohnplatz anbelangt".
Ameisenhaufen abtragen und aufbauen
Der richtige neue Ort für den Ameisenhügel muss an einer Wasserader liegen, über entsprechendes Material zum Zurückziehen verfügen und genügend besonnt werden. "Hat man den richtigen Platz gefunden, muss langsam Schicht für Schicht der Ameisenhaufen ab- und am neuen Ort wieder aufgetragen werden", berichtet der FAST-Chef.
Ameisenhügel (Bild: ORF)
Erster Kursteil: "Härchen zählen"
"Härchen zählen" steht im ersten Kursteil an zwei Herbsttagen auf dem Stundenplan: Die 16 steirischen und zwei burgenländischen Teilnehmer - hauptsächlich Imker, Forstleute und Personen aus dem Straßenbau - erlernen die Grundlagen des Ameisenschutzes, ihrer Biologie und die Artenbestimmung: unter anderem am Zählen der Haare an Augen, Stirn und Brustbereich der kleinen Tierchen.
Zweiter Kursteil: Umsiedeln und füttern
Der praktische Teil folgt im Frühjahr: "In Kleingruppen werden die Teilnehmer Waldameisenhügel umsiedeln", so Kronberger. Nach einer Umsiedelung sind die Tiere damit beschäftigt, ihre Struktur wieder aufzubauen, und gehen kaum auf Nahrungssuche. Da muss geholfen werden, zu essen gibt es Zucker und Rinderblut.
Schwänzen gilt nicht
Nur mit einer 100-prozentigen Teilnahme am Kurs ist es übrigens möglich, automatisch eine Sonderbewilligung zur Rettungsumsiedelung für Hügel bauende Waldameisen zu erhalten.