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MI | 21.03 | 17:26
Szenenbild "Les Negres" (Bild: ORF.at)
Über die Clownerie der Politik
In Graz wird derzeit das Stück "Les Negres" des französischen Autors Jean Genet aufgeführt, und zwar so, wie es der Autor verlangte -ausschließlich mit Farbigen als Darstellern.
Die Parabel von Machtverhältnissen und Unterdrückung erhält durch die Besetzung mit farbigen Laiendarstellern eine besondere Note.
Szenenbild "Les Negres" (Bild: ORF.at)
Klassische Herrschaftsverhältnisse
Oben der Hofstaat unten das Volk, auch beim französischen Autor Jean Genet gibt es die klassischen Herrschaftsverhältnisse, nur dass alles von Schwarzen gespielt werden soll - auch die herrschende weiße Klasse.
Genets Stück spielt auf vielen Ebenen, unten wird ein Opferritual gespielt, parallel dazu wird von der Hinrichtung eines Verräters erzählt. Die Vielschichtigkeit von Genets Stück tritt in den Hintergrund, es bleibt die Clownerie der Politik.
"Les Negres" im Irak, in Rom und Amerika
Für Regisseur Karl Welunschek ist das Stück auch heute noch aktuell und könnte sich auch überall zutragen:
"Platt ausgedrückt ist es so, dass wir das in Rom sehen, im Irak sehen, in Amerika sehen, die Rekolonialisierung, schauen Sie nach Afrika, was dort los ist, schauen Sie die europäische Politik an, schauen Sie sich die Einwanderungspolitik an. Ich glaube, das kann jeder rauslesen, ob das Stück in Englisch, in Französisch, in Deutsch ist, es ist fast in Kinderbildern naiv, es ist eine Clownerie, ich glaube, das versteht jeder."
Was sonst noch in den Grazer Theatern läuft, lesen Sie hier! Lebensgeschichten von Asylwerbern
Welunschek, zugleich Kurator im Grazer Stadtmuseum, hat fünf Monate mit in Graz lebenden Farbigen, zum Teil Asylwerbern, gearbeitet, die auch ihre Lebensgeschichten spielen, und sieht die Produktion als Exportartikel.
"Les Negres" als Exportartikel
"Das ist ein Exportartikel, Graz ist ja nur die Startrampe dafür, es könnte Berlin sein, die ganzen Festivals bieten sich an, es gibt 50 Festivals in Europa, man muss eben schauen, dass man es dorthin bringt. Es ist natürlich eine Geldfrage, das ist jetzt keine Botschaft an niemanden hier, über Geld reden wieder einmal andere", so Welunschek.
Vorerst jedenfalls wird "Les Negres" bis zum 1. April auf der Studiobühne der Oper in Graz gespielt.