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MI | 21.03 | 17:24
Schloss Lannach (Bild: www.lannach.at)
Die dunklen Seiten von Schloss Lannach
In einem neuen Buch wird die Geschichte des Schlosses Lannach in der NS-Zeit aufgerollt. Von März 1944 bis Mai 1945 waren dort neun KZ-Insassinnen zur Zwangsarbeit inhaftiert.
Die Autoren: Stefan Karner, Heide Gsell und Philipp Lesiak. Subkommando des Frauen-KZ
Im Schloss Lannach war 1944 ein so genanntes Subkommando des Frauen-KZ Ravensbrück untergebracht. Zu diesem Ergebnis kam die Historikergruppe rund um Stefan Karner, Leiter des Grazer Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung.
Wirtschaftsminister Bartenstein beauftragte den Historiker Stefan Karner. Unternehmenssitz von Bartenstein
Schloss Lannach ist seit 1966 der Unternehmenssitz der Familie des scheidenden Wirtschaftsministers Martin Bartenstein (ÖVP). Bartenstein beauftragte den Historiker, die Geschichte des Schlosses zu erforschen, nachdem im August 2006 die jüngere Geschichte des Schlosses mit dem KZ Mauthausen in Verbindung gebracht worden war.
Dem Minister - dessen Vater in den 50er-Jahren in die 1947 gegründete Lannacher Heilmittel GmbH einstieg, um sie 1966 zu übernehmen - war dies neu. Seine Familie besitzt das Schloss erst seit 1966.
Zwangsarbeit für neun KZ-Häftlinge
Die bereits im Mai des Vorjahres präsentierte Studie belegt, dass in Lannach ein von der SS betriebenes "Institut für Pflanzengenetik" untergebracht war, in dem neun KZ-Häftlinge - allesamt Zeuginnen Jehovas - arbeiten mussten.

"Ein Zusammenhang irgendeiner Art zwischen dem Institut und der Lannacher Heilmittel GmbH existiert nicht", so Karner. Die Gründungsgeschichte der Lannacher Heilmittel GmbH widerlege die Vermutung einer Verbindung zwischen den Gründern der Firma - den aus Mähren stammenden Brüdern Eduard L. Zirm und Konrad Zirm sowie Josef Loew - und der SS.
Kein NS-Bezug zu Bartenstein
"Die Familie Bartenstein übernahm das Unternehmen überhaupt erst in den 60er-Jahren und hat keinerlei Bezug zur Vorgeschichte während der NS-Zeit", lautet das im vorliegenden Buch abgedruckte Resümee der Studie. "Das einzige Kontinuum sind die Mauern des Schlosses", erklärte Karner.
Im Buch sind auch Biografien der KZ-Häftlinge zu sehen. 180 Zwangsarbeiter
Neben der biografischen Darstellung der in Lannach internierten weiblichen KZ-Häftlinge kommt die Rolle des Schlossbesitzers Franz Kandler und dessen Ziegelfabrik, in der 180 Zwangsarbeiter beschäftigt waren, zur Sprache. Zudem findet sich die Anfangszeit der im Jahr 1947 im Schloss gegründeten Lannacher Heilmittel GmbH dokumentiert.