Wien ORF.at Bewusst leben
TV-ProgrammTV-ThekRadioÖsterreichWetterSportIPTVNews
MI | 21.03 | 17:17
Bioholzbauer Johannes Knapp (Bild: ORF)
Bio-Tausendsassa in 1.200 Meter Höhe
Vier Generationen leben auf dem Biohof Knapp vulgo Stolz in Rinegg bei Murau unter einem Dach. In 1.200 Meter Seehöhe produzieren die Knapps Bio-Rindfleisch und ökologische Energie.
Vier Generationen auf einem Hof
Vier Generationen leben auf dem Biohof Knapp vulgo Stolz in Rinegg bei Murau unter einem Dach. Mutter- und Milchkühe weiden rund um den Hof, die Familie versorgt sich selbst mit Gemüse und andere mit ökologischer Energie. Ein Schwerpunkt des Betriebs ist nämlich die Produktion von Hackschnitzeln und Brennholz aus der eigenen Bio-Forstwirtschaft.
"Wir versuchen, möglichst naturnah zu arbeiten", so Bio-Waldbauer Knapp. Natur pur im Wald
"Wir versuchen, möglichst naturnah zu arbeiten, das heißt, möglichst ohne künstliche Verjüngung auszukommen", erklärt Bio-Waldbauer Johannes Knapp. Bei der künstlichen Verjüngung werden kleine Bäumchen nicht von Hand ausgepflanzt. "Naturverjüngung heißt: Man entfernt den großen Baum und in diese Lücke, die entsteht, fallen Samen von den Zapfen ab und dadurch wächst wieder ein neuer Baum", so Knapp.
Clemens Knapp (Bild: ORF)
Eine Wald wie eine Großfamilie
Kahlschlag gibt es in einem Bio-Wald somit nicht, und das aus gutem Grund, so Knapp. In einem naturnahen Wald soll es nämlich wie in einer Großfamilie aussehen, kleine, mittlere und große Bäume bunt gemischt: "Das wäre das Ideal, damit die Oberfläche unterschiedlich ist und die Sonnenstrahlen dadurch besser ausgenutzt werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Sturm nicht so gleichmäßig durchfahren kann wie in einem Altersklassenwald und das Windwurfrisiko dadurch minimiert ist."
Knapp: "Es gibt aber auch bei den Rehen oft einen dummen Bock." Mit der Natur gegen Schädlinge
Ein Bio-Wald hat im Normalfall auch nicht so große Probleme mit eventuellen Schädlingen. "Man versucht etwa Spechtbäume zu belassen und es ist auch viel mehr Äsungsangebot für das Wild da, weil im Boden Grünflächen sind und dadurch sollte es weniger Verbiss an den Bäumen geben", erklärt Knapp, fügt aber schmunzelnd hinzu: "Es gibt aber auch bei den Rehen oft einen dummen Bock, wo ein Tier viel Schaden macht, wenn man den nicht rechtzeitig erwischt."
Jedes Holz hat seine Bestimmung
Aus den Knapp'schen Wäldern werden die hiebreifen Bäume ganz gezielt herausgeholt. Die geraden, schönen, gesunden werden an die Sägewerke in der Umgebung verkauft, zu dünne oder krumme Stämme - das sogenannte Industrieholz - werden zu Hackschnitzeln und Scheitholz verarbeitet.
Eine Delegation aus Fukushima besuchte den Biohof Knapp vor zwei Jahren. Bio-Energie im Wert von 50.000 Liter Öl
"Wir erzeugen insgesamt Bio-Holzenergie im Wert von rund 50.000 Liter Heizöl im Jahr", erzählt Klement, Johannes Knapps Vater und erzählt von der Begegnung mit einer Delegation aus Japan: "Vor zwei Jahren war eine Gruppe Japaner aus der Gegend um Fukushima bei uns und haben sich angesehen, wie wir Brennholz machen, wie wir das Holz mit Traktor und Seilwinde aus dem Wald herausholen, wie es aufgespalten wird. Dann sind sie auch ins Haus und haben gesehen, dass man mit Holzwärme auch ein Essen zubereiten kann. Sie waren ganz verwundert und haben sogar in das Herdtürl hineingefilmt."
Alle ziehen am selbsten Strang
"Bio" ist am Hof von Johannes Knapp mehr als nur naturnah den Wald zu bearbeiten oder Rinder zu halten. Mit seiner Frau Anni hat Johannes Knapp die Tochter des ersten Biobauern im Bezirk Murau geheiratet. Und sein Interesse an der biologischen Landwirtschaft gibt er auch an seine Kinder weiter. Der neunjährige Clemens hat relativ klare Berufziele, er will "Bauer oder Konstrukteur" werden.
"Eine schöne Arbeit"
Und "obwohl es oft anstrengend und auch gefährlich ist, ist es eine schöne Arbeit", meint Knapp zufrieden: "Im eigenen Wald wird zu 95 Prozent die Arbeit selbst gemacht. Am Abend geht man erfüllt heim und freut sich, wenn man ein Eck schön gemacht hat und sich etwas entwickeln kann."

In "Guten Morgen, Steiermark"
auf Radio Steiermark
am 15. September