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MI | 21.03 | 17:36
Der Unglückskrater von Lassing (Bild: APA/Techt)
Die Katastrophe und die Folgen
Am 17. Juli jährt sich zum zehnten Mal das größte Grubenunglück der zweiten Republik: Ein Jahrzehnt ist zwar vergangen, vergessen wird die Katastrophe von Lassing aber so schnell wohl niemand können.
Tausende Kubikmeter Erdreich sind in den Stollen hineingerutscht. In 60 Metern Tiefe verschüttet
Lassing, 17. Juli 1998, kurz vor 12.00 Uhr Mittag: Schlamm-Massen drangen ins Talk-Bergwerk ein, der 24-jährige Bergmann Georg Hainzl wurde in 60 Metern Tiefe verschüttet.

"Es sind da einige tausend Kubikmeter Erdreich in den Stollen hinein weggerutscht. Das war ein Wassereinbruch in das Bergwerk", sagt Kurt Freiberger vom Katastrophen-Hilfsdienst.
Zahlreiche Höuser stürzten ein. (Bild: APA/Techt)
"Nur raus!"
Mehrere Häuser wurden beschädigt, Bewohner entkamen den Trümmern im letzten Moment: "Ich hab' mir gedacht, die Explosionsklappe beim Kamin ist steckengeblieben. Dann haben wir in der Küche schon gesehen: Risse im Boden. Nur raus!", so der Anrainer Johann Mayer.

Rettungsmannschaften versuchten verzweifelt, den Verschütteten zu bergen. Zuerst gab es noch telefonischen Kontakt zu ihm, dann brach dieser ab. Eine Rettungsmannschaft beschloss, ins Bergwerk einzufahren.
Rettungsteam verschüttet
Gegen 22.00 Uhr verschärfte sich die Situation dann dramatisch. Das Bergwerk brach weiter ein, das Areal wurde weiträumig evakuiert, kein Strom - und dann die Hiobsbotschaft: Es wurden auch zehn Mitglieder der Rettungsmannschaft verschüttet.
Der Krater von Lassing (Bild: APA/Techt)
Ein Land weint
Über Nacht bildete sich ein riesiger Krater, weitere Gebäude stürzten ein. Der Krisenstab unter der Führung von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic sah zu diesem Zeitpunkt kaum noch Chancen für die insgesamt elf Verschütteten.
Trauer und Verzweiflung machten sich bei Angehörigen und Bekannten breit. Immer wieder kam es zu Rückschlägen bei den Bohrungen, mehr und intensivere Rettungsversuche wurden gefordert.
"Das Wunder von Lassing"
Doch dann, am späten Abend des 26. Juli 1998, geschah das "Wunder von Lassing": Nach fast zehn Tagen konnte der verschüttete Georg Hainzl lebend geborgen werden.
Georg Hainzl nach seiner Bergung (Bild: APA/Techt)
Hainzl war bei vollem Bewusstsein und ansprechbar.
Alle weiteren Anstrengungen blieben erfolglos
Jetzt hofften alle in Lassing auf ein weiteres Wunder - doch ein solches gab es nicht: Alle Anstrengungen, alle Rettungsversuche blieben erfolglos. Am 17. August wurden die Rettungsarbeiten offiziell für beendet erklärt.
Im April 2000 wurde die Suche nach den zehn Toten im Lassinger Bergwerk eingestellt. Fast zwei Jahre nach dem Unglück, im April 2000, ließ das Wirtschaftsministerium die Suche nach den zehn Toten im Lassinger Bergwerk einstellen.

Im Jahr 2000 begann auch der Lassing-Prozess: In letzter Instanz wurden ein früherer Betriebsleiter und ein früherer Berghauptmann von Leoben wegen fahrlässiger Gemeingefährdung schuldig gesprochen.

Lassing wurde für immer verändert
Rechtlich ist damit das Bergwerksunglück von Lassing abgeschlossen; was am 17. Juli 1998 passiert ist, hat den kleinen obersteirischen Ort aber wohl für immer verändert.