Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Festnahme (Bild: APA)
Missbrauchsverdacht
Arzt schoss Pornobilder von Patientinnen
Jener Knittelfelder Arzt, der jahrelang pornografische Fotos von minderjährigen und erwachsenen Patientinnen gemacht haben soll, hat ein Teilgeständnis abgelegt. Die Polizei stellte bei dem Arzt rund 500 pornografische Fotos sicher.
Fest steht laut Staatsanwaltschaft, dass auf den meisten Fotos der Intimbereich von größtenteils erwachsenen Frauen zu sehen ist; wie viele der Fotos wirklich Patientinnen des Arztes zeigen, kann aber noch nicht gesagt werden.
Seit zehn Jahren aktenkundige Hinweise
Gerüchte über unnötige Untersuchungen des 52-Jährigen an Patientinnen im Initimbereich gab es schon länger, seit zehn Jahren gibt es sogar polizeiliche Akten. Für gerichtliche Konsequenzen hatte die Beweislage aber offenbar nie gereicht.

"Wenn Anzeigen eingelangt sind, sind die jeweils umfassend geprüft worden, nur waren die Beweisergebnisse bislang immer so, dass die Verfahren jeweils mit Einstellung geendet haben", sagt Staatsanwalt Reinhard Kloibhofer.
Der Arzt bot den Mädchen an, gegen Fotos von ihrem Intimbereich auf die Bezahlung der Intim-Piercings zu verzichten.
Imtimbereich-Piercings bei Minderjährigen
Aufgeflogen ist das Ganze jetzt durch drei Mädchen im Alter zwischen elf und 13 Jahren. Sie sagten vor wenigen Tagen bei der Polizei aus, der Arzt habe kostenlose Intim-Pearcings bei Mädchen durchgeführt, wenn sich diese anschließend von ihm im Intimbereich fotografieren ließen.

Hausdurchsuchung nur mit Anhaltspunkten
Erst die Aussagen der Mädchen, es gebe Fotos, hätten die Hausdurchsuchungen ermöglicht, sagt Kloibhofer:
"Eine Hausdurchsuchung ist ein gravierender Grundrechtseingriff und wird von der Staatsanwaltschaft deshalb nur dann beantragt, wenn man wirklich Anhaltspunkte dafür hat, dass allenfalls etwas gefunden wird."
Unmittelbar vor der Festnahme wollte der Arzt das belastende Bildmaterial vom Datenträger seines Computers löschen.
Belastendes Material sichergestellt
Obwohl der Arzt unmittelbar vor der Festnahme das belastende Bildmaterial vom Datenträger seines Computers löschen wollte, konnte es sichergestellt werden. Im Zuge der Hausdurchsuchung wurden 500 weitere pornografische Aufnahmen gefunden, sowohl von Minderjährigen als auch von erwachsenen Frauen.
Assistentin nimmt Chef in Schutz
Der 52 Jahre alte Mediziner war auch Schularzt in Knittelfeld. Seine Ordinationsassistentin Nicole Steinhuber nimmt ihren Chef allerdings in Schutz: "Wir persönlich haben überhaupt nichts mitbekommen. Dass da etwas gewesen wäre, so lange war keiner drin. Wenn die Kinder gekommen sind, war die Tür sowieso meistens offen, wir haben also gesehen, dass nichts passiert ist."

"Bei mir war er ganz normal"
Auch die 15-jährige Suzana Buljan, eine Patientin des Knittelfelders, sagt, bei ihr hätte sich der Mediziner nichts zu Schulden kommen lassen: "Er war zu mir ganz normal, ich habe keine Probleme mit ihm gehabt. Er war immer freundlich zu mir, und er hat mir bei meinem Asthma geholfen. Wie ich das gehört habe, war ich sehr schockiert, und ich kann mir das auch nicht vorstellen."
Keine Hinweise auf Vergewaltigungen
Wie viele Opfer es geben könnte und wie weit die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe gegangen sind, kann die Staatsanwaltschaft vorerst noch nicht sagen; konkrete Hinweise auf Vergewaltigungen gebe es bis jetzt aber nicht, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, Thomas Mühlbacher.
"Derzeit haben wir keine konkreten Hinweise auf Vergewaltigungshandlungen, wohl aber auf sexuelle Handlungen bei Unmündigen. Wir sind derzeit dabei, die Bilder auszuwerten und festzustellen, um wen es sich bei den Tatopfern handelt; wir sind also noch am Beginn der Ermittlungen und können noch keine konkreten Aussagen darüber machen, wie viele es tatsächlich gewesen sind", so Mühlbacher.
Mediziner ist teilgeständig
Der 52-Jährige ist teilgeständig; er wurde nach den Einvernahmen in die Justizanstalt Leoben eingeliefert. Angeklagt wird er wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, pornografischer Darstellung Minderjähriger, Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses sowie wegen Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Piercing von Jugendlichen.
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