Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Schüler (Bild: ORF.at)
Zu wenig Jod
Kropferkrankungsgefahr wieder im Steigen
In der Steiermark könnten Kropferkrankungen wieder steigen. Laut einer Untersuchung an Schulkindern gibt es Anzeichen dafür, weil die Jodversorgung durch Industrienahrung wieder schlechter wird.
Seit Speisesalz in Österreich jodiert sein muss, ging die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen massiv zurück.
Immer weniger Jod in der Nahrung
Untersucht wurden 540 Schulkinder in Graz, Klagenfurt und Feldkirch. Das Ergebnis: Ihre Schilddrüsen sind durchwegs in Ordnung. Aber Harnuntersuchungen ergaben, dass die Kinder immer weniger Jod über die Nahrung aufnehmen.
Grenznahe Jodwerte
Die Jodwerte liegen nur noch knapp oberhalb des von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Grenzwertes, sagt Wolfgang Buchinger, Leiter der Schilddrüsenambulanz bei den Barmherzigen Brüdern in Graz-Eggenberg.
"Auf Grund der aktuellen Ergebnisse ist nicht auszuschließen, dass wieder die Zahl der Personen mit vergrößerter Schilddrüse oder mit Knoten in der Schilddrüse steigt." Für die untersuchten Kinder sieht der Leiter der größten steirischen Schilddrüsenambulanz keine gesundheitliche Gefahr. Doch wenn sie zu wenig Jod zu sich nehmen, dürfte das für alle Bevölkerungsgruppen gelten, so Buchinger.
Jod vor allem für Schwangere wichtig
"Wichtig ist, dass vor allem schwangere Frauen auf eine ausreichende Jodzufuhr achten. Es gibt Untersuchungen, wo gezeigt werden konnte, dass Kinder, bei denen die Mütter während der Schwangerschaft eine zu geringe Jodzufuhr haben, im Alter von sieben bis acht Jahren untersucht wurden und eine herabgesetzte Feinmotorik hatten und außerdem von der Intelligenz her niedrigere Werte zeigten", so der Arzt.
Kaliumjodid statt Kaliumjodat
Der Experte sieht zwei Gründe für den Rückgang bei der Jodaufnahme. Erstens: Jodiertes Speisesalz enthält statt Kaliumjodid zunehmend Kaliumjodat. Diese chemische Verbindung wird vom Körper offenbar schlechter aufgenommen.
Sündenbock Industriesalz
Zweitens, so Buchinger, essen wir immer mehr Industriesalz, das nicht aus Österreich stammt, "weil die Bevölkerung immer weniger Zeit hat, das Essen zur Gänze selbst zu kochen. Die industriell hergestellten Nahrungsmittelprodukte werden mit Industriesalz gesalzen und hier ist es gesetzlich nicht so geregelt, dass unbedingt zu 100 Prozent jodierte Speisesalze genommen werden müssen."
Meerestiere und jodhaltiges Mineralwasser
Der Tipp des Experten: Essen sie Fisch und andere Meerestiere. Oder trinken Sie besonders jodhaltiges Mineralwasser. Übertreiben sollte man das Trinken von Mineralwasser allerdings nicht, denn allzu viel Jod ist auch wieder ungesund.
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