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MI | 11.04.2012
Uni Graz (Bild: Wiki)
WISSENSCHAFT
Uni Graz erforscht regionale Grammatik
Die Uni Graz beteiligt sich ab Montag an einem germanistischen Großprojekt, das die regionalen Grammatikunterschiede der deutschen Sprache erforscht. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. Ein Handbuch dokumentiert die Ergebnisse.
Das Projekt erforscht die nationalen und regionalen Unterschiede der deutschen Grammatik.
Großprojekt dreier Unis
Das Projekt wird gemeinsam von den Unis Graz, Augsburg und Zürich durchgeführt. Zum ersten Mal werden laut dem Leiter des Instituts für Germanistik an der Uni Graz, Arne Ziegler, die nationalen und regionalen Unterschiede in der deutschen Grammatik systematisch erforscht.

"Je nach Region lautet die Mehrzahl von Park 'Parks', 'Parke' oder 'Pärke'. In deutschsprachigen Zeitungen findet man neben 'Ich bin gestanden' auch die Form 'Ich habe gestanden'. Solche Varianten wurden bis dato in der Grammatikschreibung vor allem nicht systematisch berücksichtigt", so Ziegler, der den österreichischen Part des Projektes leitet.
Vom "sein" bis zum Fugen-S
Die Reihe weiterer grammatikalischer Unterschiede im Deutschen ist lang: So wird zum Beispiel für die Bildung des Perfekts von Verben, die die Körperhaltung ausdrücken, in Österreich wie auch in der Deutschschweiz und im süddeutschen Sprachraum "sein" als Hilfsverb verwendet. Das führt dazu, dass man in diesen Regionen "ich bin gesessen" oder "bin gestanden" statt "habe gesessen" und "habe geschlafen" findet.

Zwischen die Elemente zusammengesetzter Hauptwörter tritt im österreichischen Deutsch wiederum im Gegensatz zum Bundesdeutschen oft ein Fugenlaut wie etwa das Fugen-S in "Zugsverspätung" oder "Schweinsbraten" (bundesdeutsch "Zugverspätung" bzw. "Schweinebraten"). Während man sich in Österreich etwas "um" fünf Euro kauft, macht man das in Deutschland "für" diesen Betrag.
Handbuch dokumentiert Ergebnisse
Auf Basis von Zeitungstexten werden regionale grammatische Variationen erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse des Großprojektes, das von verschiedenen Förderinstitutionen mit rund 1,2 Mio. Euro finanziert wird, werden in einem Handbuch dokumentiert. Dieses soll auch im Sprachunterricht Verwendung finden. In erster Linie wird das Handbuch für Sprachwissenschafter, Sprachdidaktiker und interessierte Laien konzipiert.
Dreijähriges Projekt
Das Projekt mit dem Titel "Variantengrammatik des Standarddeutschen" ist auf drei Jahre angelegt. Neben Germanisten der Unis Graz, Augsburg und Zürich beteiligen sich auch Wissenschafter aus Liechtenstein, Belgien, Luxemburg und Südtirol.
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