Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
FPÖ (Bild: APA)
POLITIK
FPÖ-Basis bröckelt: Bürgermeister treten aus
Im Bezirk Murau bröckelt die FPÖ-Basis: Ein FPÖ-Bürgermeister, zwei Bürgermeister FPÖ-naher Bürgerlisten und eine Freiheitliche Ortsgruppe treten aus der Partei aus, um sich vom extremen rechten Rand abzugrenzen. Die FPÖ-Spitze reagiert gelassen.
"Ich schäme mich dafür, wenn Parteigenossen die Hand heben", so Prodinger.
Das Tüpferl auf dem 'i' sei das Anti-Minarett-Spiel gewesen, sagt Horst Prodinger - er wird ab 2013 Halbzeit-Bürgermeister in Predlitz-Turrach sein, aber nicht mehr für die FPÖ.

Von der "Ausländerhetze" abgrenzen
Prodinger und die zwei anderen Bürgermeister, Reinhardt Racz aus Neumarkt und Walter Markolin aus Zeutschach, treten aus der Partei aus und wollen sich so vom extremen rechten Flügel der Partei und der Ausländerhetze, wie sie sagen, abgrenzen.

"Uns wird immer der rechte Flügel angekreidet, und mit diesem will ich überhaupt nichts zu tun haben. Ich schäme mich dafür, wenn Parteigenossen die Hand heben (zum Hitlergruß, Anm.) und will damit einfach nichts zu tun haben", so Prodinger.
Das dritte Lager sei für andere Dinge außer Hetze da.
Vor Wahl ein Zeichen setzen
Das sehen offenbar auch die anderen Mitglieder der FPÖ-Ortsgruppe in Predlitz-Turrach ähnlich: Laut Prodinger wird es nächste Woche eine Sitzung geben, in der alle 25 FPÖ-Mitglieder geschlossen aus der Partei austreten werden.

Damit wolle man vor der Wahl noch ein Zeichen setzen: "Mein Wunsch wäre, dass die FPÖ Steiermark bei der Wahl Schiffbruch erleidet, und dann werden sie vielleicht irgendwann einmal munter werden und draufkommen, dass das dritte Lager für andere Dinge da ist, nicht nur für Hetze und Sinnlosigkeiten", sagt Prodinger.
Reinhardt Racz war über 30 Jahre lang Mitglied der FPÖ.
Racz: Bürgermeister werden nicht gebraucht
Seit über 30 Jahren ist der Bürgermeister von Neumarkt, Reinhardt Racz, Mitglied der Freiheitlichen Partei. Verschiedenste Positionen bekleidete er, auch im Parteivorstand war er Mitglied.

Nun reicht es ihm: Die steirische FPÖ verzichte zunehmend auf die Parteibasis und die Vielfalt, so Racz, im Vorstand der Landespartei herrsche die Meinung vor, "dass man die Gemeindevertreter, die Bürgermeister, in den Entscheidungsgremien nicht braucht. Die Stimmen, und ich war selbst Zeuge einer solchen Aussage, macht ohnehin der Heinz Christian Strache".
Sachpolitik sei in der steirischen FPÖ nicht mehr gefragt, so Racz.
"Wer Kritik übt, wird ausgeschlossen"
Dementsprechend finde sich auch kein Gemeindevertreter an wählbarer Stelle auf einem Landtagswahl-Listenplatz, das gleiche gelte für Arbeitnehmervertreter, Wirtschaftstreibende und für Frauen.

Auch Sachpolitik sei in der steirischen FPÖ nicht mehr gefragt, Themen wie Entbürokratisierung, Ankurbeln der Wirtschaft oder Abwanderung aus dem ländlichen Bereich würden links liegen gelassen, es zähle einzig das Thema Ausländer, sagt Racz. Wer an dieser Linie Kritik übe, werde aus der Partei ausgeschlossen.
Racz: "Ich werde mir auch anschauen, wen ich wähle, die FPÖ wird es nicht sein."
Racz: FPÖ bringt keinen Mehrwert für Wähler
Aber auch um die Zukunft von Parteichef Gerhard Kurzmann sei es düster bestellt, glaubt der Neumarkter Bürgermeister: "Sollte die Landtagswahl nicht phänomenal gut ausgehen für die FPÖ, ist Gerhard Kurzmann mit Sicherheit Geschichte."

Im Hintergrund würden bereits Landtagssitze und Posten, die es noch gar nicht gebe, verteilt. Unter diesen Voraussetzungen sehe er derzeit keinen Mehrwert für die Bevölkerung die FPÖ zu wählen, so Racz: "Nur ein politisches Thema zu haben, ist in Wahrheit keine Daseinsberechtigung für eine politische Gruppe. Ich werde mir auch anschauen, wen ich wähle, die FPÖ wird es nicht sein."
Kurzmann: "Das ist ein kleiner Bereich in einem kleinen Bezirk."
Kurzmann: "Erfolg trotz Störversuche sicher"
FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann nimmt die Turbulenzen im Bezirk Murau zwei Wochen vor der Wahl gelassen hin. Auswirkungen auf das Wahlergebnis befürchtet er nicht: "Das ist jetzt sozusagen ein Sturm im Wasserglas, den ein Funktionär oder zwei dort auslösen, aber das ist ein kleiner Bereich in einem kleinen Bezirk. Wir sind sicher, dass wir den Erfolg trotz dieser Störversuche, die es da momentan gibt, ohne Probleme schaffen werden."
Nicht auf Kandidatenliste berücksichtigt
Kurzmann sieht ein internes Reihungsproblem als Auslöser der Rebellion: "Die Herren haben sich nicht berücksichtigt gefühlt auf der Kandidatenliste für die Landtagswahl." Dem widerspricht Racz, er habe mit Parteichef Kurzmann über einen Listenplatz gesprochen, hätte diesen aber nur unter der Bedingung angenommen, das die Liste vielfältiger werde.

Alle drei Bürgermeister wollen ihr Amt übrigens weiter ausüben - nun aber als Unabhängige ohne Parteibuch.
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