|
|
|
 |
 |
SPORT |
07.09.2010 |
|
|
|
|
Stangl war nicht auf dem Gipfel des K2
Der steirische Extrembergsteiger Christian Stangl hat den Gipfel des K2 vor vier Wochen doch nicht erklommen. Das Gipfelfoto, das Stangl angeblich gemacht haben will, stellte sich als Fälschung heraus.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Das damals verschickte Gipfelfoto ist nicht am höchsten Punkt des Berges auf 8.611 Metern Höhe entstanden. |
|
|
|
Einen entsprechenden Bericht des ORF bestätigte der Extrembergsteiger am Dienstag - das Bild soll rund 1.000 Meter unter dem Gipfel entstanden sein.
"Aus Stress und Angst nur eingebildet"
Er, Stangl, habe sich seinen Gipfelsieg als Folge von Stress und Angst vor dem Versagen nur eingebildet: "Ich denke, dass, nach drei Sommern und insgesamt sieben Versuchen am K2, ich in das Stadium eines Burn outs gekommen bin, wo ich wirklich geglaubt habe, ich bin auf dem Gipfel. Eine bedrohte körperliche Existenz ist wahrscheinlich schlimm genug, aber die Angst vor dem Versagen in einer leistungsorientierten Gesellschaft ist wahrscheinlich noch höher."
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Stangls GPS-Gerät war laut eigener Aussage gar nicht eingeschaltet. |
|
|
|
Dem eigenen Visualisierungsprozess erlegen
Dazu kommt, dass er seit Jahren zur Motivation mit so genannten Visualisierungsprozessen gearbeitet habe: "Bei solchen Prozessen stellt man sich vor, man ist schon am Ziel. Natürlich war mir immer wieder bewusst, dass solche Visualisierungsprozesse auch gefährlich sein können", so Stangl, der den Vorwurf des gezielten Betruges zurückweist: "Wenn ich bewusst einen Blödsinn gemacht hätte, ich glaube, dann könnte man abschätzen, was passiert, und das werde ich in diesem Fall sicher nicht machen."
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Schon 2008 gescheitert
Mit dem K2 hatte Stangl schon öfter Probleme: Im August 2008 entging er nur knapp einem Drama mit mehreren Toten. Er stieg bis 8.100 Meter auf, ehe eine Eislawine im Bottleneck die Saison beendete und elf Bergsteiger mit in den Tod riss. 2009 versuchte Stangl erneut sein Glück und erreichte 8.300 Meter. Gewaltige Schneemengen vereitelten jedes weitere Vorwärtskommen.
Im Juli 2010 hatte er einen entsprechenden Versuch wegen einer Erkrankung abbrechen müssen, Anfang August scheiterte der Gipfelsturm erneut. Zur selben Zeit musste auch Gerlinde Kaltenbrunner nach einem Unfall, bei dem ihr schwedischer Bergkamerad ums Leben kam, umkehren. Mitte August vermeldete der Extremsportler dann: "Geschafft!" - zu Unrecht, wie nun klar ist.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Bergsteiger-Kollegen hatten Stangls K2-Erfolg zuletzt schon massiv angezweifelt, sogar einen Erpressungsversuch habe es gegeben - ein Kollege habe Geld für sein Schweigen gefordert, bestätigte Stangl am Dienstag.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Schauer: "Glaube, dass es eine Ausrede ist"
Der Grazer Bergsteiger Robert Schauer - der als erster Österreicher 1978 den Mount Everest bezwang - glaubt zwar, dass Halluzinationen am Berg möglich seien, aber "ich glaube nicht, dass Christian Stangl solche Halluzinationen gehabt haben könnte, zumal man ja auch von anderer Seite weiß, dass er überhaupt nicht in dieser Höhe war, wo er vorgegeben hat zu sein. Ich glaube schon, dass es eine Ausrede ist".
Wenn man Bergsteigern ihren Gipfelsturm nicht mehr glauben könne, habe das nichts mehr mit Alpinismus zu tun, kritisiert Schauer: "Man wird natürlich noch genauer hinschauen. Wenn so viele Gleichgesinnte einem Ziel zustreben, dann kommt Ellbogentechnik, dann kommt Gruppendynamisches auf übelstem Niveau zum Vorschein, und da sieht man dann sehr tief in die einzelnen Seelen der Menschen, und das ist etwas, was ich mit dem Bergsteigen nicht verbinden möchte."
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Stangl möchte als erster Mensch alle "14 seven summits" besteigen - gemeint sind damit die sieben höchsten Gipfel aller Kontinente inklusive Antarktis und Ozeanien plus der zweithöchsten. |
|
|
|
Abbruch oder Fortsetzung?
Welche Pläne Stangl - der sich nun eine Auszeit gönnen will - nun hat, ist unklar: Nach dem K2-"Gipfelsieg" hatte er bereits angekündigt, noch im Dezember den letzten Berg seiner "14 Seven Summits"-Tour, den 4.852 Meter hohen Mount Tyree in der Antarktis, erklimmen zu wollen - dieser gilt aufgrund seiner Schwierigkeit als der K2 des südlichsten Kontinents der Erde. Damit hätte Stangl - eine echte Gipfelbesteigung des K2 vorausgesetzt - heuer als erster Mensch alle "14 Seven Summits" besteigen können.
Stangl ist im Zivilberuf Elektrotechniker und war zuletzt als Projektleiter in Libyen tätig. Daheim ist er in Hall bei Admont. Seine bevorzugten Freizeitbeschäftigungen sind Sport, Reisen, Geografie und Sprachen. Darüber hinaus hält er Firmenvorträge. Sein Leitspruch: "Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche."
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
ORF.at
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
tirol.ORF.at
Bergsteigerlegende Reinhold Messner hält die Fälschung des K2-Gipfelfotos von Skyrunner Christian Stangl für eine lustige Sache. Stangl sei mit oder ohne gefälschtem K2-Gipfelfoto für Messner "nicht einmal eine Fußnote in der alpinen Geschichte".
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
steiermark.ORF.at; 29.8.10
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Link:
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|