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JUSTIZ |
01.09.2010 |
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Betrugsprozess: "Opfer wie Spinne gefangen"
Mit einem zweistündigen Eröffnungsplädoyer des Staatsanwaltes hat am Mittwoch in Graz der Prozess gegen einen Geschäftsmann begonnen. Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, zahlreiche Personen um über 1,5 Mio. Euro geschädigt zu haben.
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"Eingesponnen, ausgesaugt, ausgespuckt"
Der Staatsanwalt zeichnete in seinem Plädoyer nicht unbedingt ein einnehmendes Bild des Angeklagten: "Er war wie eine Spinne, hat seine Opfer eingewickelt, im Netz eingesponnen, ausgesaugt und dann wieder ausgespuckt."
Begonnen habe alles, so der Staatsanwalt, mit dem Einstieg des heute 46-Jährigen vor 15 Jahren in die familieneigene Spedition. Dieses Unternehmen habe er ebenso in die Pleite geführt, wie alle danach von ihm oder seinen Strohmännern gegründeten Firmen - diese seien obendrein allesamt Scheinfirmen gewesen, an den angegebenen Firmenadressen hätten sich nicht einmal Briefkästen befunden. Am Hauptsitz seiner Finanzholding "Sunshine Invest" in Brüssel habe man nichts bekommen außer Pizza, so der Staatsanwalt.
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Laut Staatsanwaltschaft sei kein einziges Projekt jemals zustande gekommen. |
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Als seriöser Geschäftsmann ausgegeben
Ausgegeben habe sich der Grazer immer als seriöser, gut situierter und vertrauenswürdiger Unternehmensberater: "In seinem Büro hat es alle möglichen Fotos gegeben, mit der Ex-Landeshauptfrau, mit Gorbatschow; da sind lauter Diplome gehangen. Dieses Gesicht hat er seinen Opfern gezeigt, wenn er sie überzeugen wollte, und viele sind drauf reingefallen", so der Staatsanwalt weiter.
Kein einziges der Projekte, bei denen der 46-Jährige zugesagt hatte, Investoren zu bringen, sei zustande gekommen; keine einzige Firma habe jemals ein operatives Geschäft verzeichnet, so der Staatsanwalt.
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"Tatsache ist, dass man dem Angeklagten ganz übel mitgespielt hat", so der Verteidiger. |
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Verteidiger: "Opfer von Intrigenspielen"
Der Verteidiger präsentierte seinen Mandanten in einem anderen Licht: Er sei nicht Täter, sondern vielmehr das Opfer mieser Intrigenspiele: "Ich habe noch nie so eine schlechte, tendenziöse Anklageerhebung erlebt", stichelte der Verteidiger, "Tatsache ist, dass man dem Angeklagten ganz übel mitgespielt hat".
So seien von den Geschäftspartnern Gerüchte in die Welt gesetzt worden, um den 46-Jährigen in Misskredit zu bringen, daraufhin seien die Investoren abgesprungen, erklärte der Verteidiger; erst nach einem Zerwürfnis mit Dieter Eigner - eines der vermutlichen Opfer - hätten "plötzlich dubiose Dinge begonnen".
Auch sei die "Sunshine Invest" keine Scheinfirma gewesen: "Jede Medaille hat zwei Seiten", so der Verteidiger. Die laufenden Projekte hätten noch etwas Zeit gebraucht, um letztlich Gewinne abzuwerfen, nur durch die Inhaftierung seines Mandaten hätten sich die Vorhaben verlaufen.
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"Ich weiß, was ich geleistet habe"
Am Ende des ersten Verhandlungstages meinte der Angeklagte noch mit seinen eigenen Worten, dass er sich in keinem einzigen Anklagepunkt schuldig fühle und bisher nicht die Möglichkeit bekommen hätte, die Vorwürfe zu entkräften: "Geben Sie mir die Gelegenheit, zu jedem Punkt Stellung zu nehmen. Ich weiß, was ich geleistet habe."
Prozess auf 16 Tage anberaumt
Um beide Seiten abzuwägen und zu einem Urteil zu kommen, haben Richter und Schöffen noch wochenlang Zeit: Der Prozess wurde auf 16 Tage anberaumt. Wird der Angeklagte schuldig gesprochen, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.
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steiermark.ORF.at
Die Liste der Anklagepunkte ist lange: Sie reicht von schwerem gewerbsmäßigem Betrug über Fälschung von Beweismitteln und Falschaussagen bis hin zu Urkundenfälschung. Der Kern der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lautet, dass der 46-jährige Angeklagte jahrelang zahlreiche Investoren und von ihm beauftragte Geschäftspartner um Geld betrogen haben soll.
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