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MO | 13.02.2012
Symbolfoto Obduktion (Bild: ORF)
CHRONIK
Steir. Forensiker: Tod durch Maden unmöglich
Nach Bekanntwerden eines angeblich tödlichen Madenbefalls eines Wieners winkt die Grazer Gerichtsmedizin ab: Der Tod des 61-Jährigen könne nicht von den Maden verursacht worden sein.
In Wien ist laut Berichten Dienstagnachmittag ein bettlägeriger 61-jähriger von Maden am lebendigen Leib zerfressen worden. Seine Lebensgefährtin soll - so heißt es - wochenlang in dem Madenverseuchten Bett neben dem Mann geschlafen haben.
Maden werden in der modernen Medizin bei schwer heilenden Wunden eingesetzt.
"An Maden stirbt man nicht!"
Dass die Tiere den Tod des Mannes verursacht hätten, sei unmöglich, erklärt jetzt allerdings der Grazer Gerichtsmediziner Peter Leinzinger. Ganz im Gegenteil:

"Daran stirbt man nicht, Maden können sogar bei der Reinigung schwer heilender Wunden helfen, indem sie totes Gewebe wegfressen," so Leinzinger. In den vergangenen Jahren habe es sogar eine Renaissance dieser Methode in der Chirurgie gegeben.
Sterile Maden als Mikrochirurgen
Dabei würden sogar extra gezüchtete, sterile Tiere quasi als "Mikrochirurgen" in die Wunde gesetzt. Das sei vor allem bei Patienten mit Diabetes, Gefäßleiden oder Herz- und Lungenkrankheiten von Bedeutung. Die Fliegen würden binnen Stunden ihre Eier in abgestorbenes Gewebe ablegen, aus dem die Maden schlüpfen.
Im Wiener Fall habe wohl schwere Pflegevernachlässigung zum Tod geführt, mutmaßt Leinzinger.
Tiere legen Eier nur in totem Gewebe
Üblicherweise sind laut Leinzinger Leichen von Maden befallen, die im toten Material schlüpfen und sich dort durchfressen. "Das sehen wir Gerichtsmediziner im Sommer alle paar Tage", so Leinzinger. Dass die Tiere Körper durchfressen und Organe befallen würden, seien "Horrorgeschichten".

Aber selbst in jenen seltenen Fällen, in denen lebende Menschen von Maden befallen werden, würden die Fliegen ihre Eier ausschließlich in totem Gewebe ablegen, der Betroffene müsse also totes Fleisch am Körper haben.
Lockte offenes Geschwür Maden an?
Im Wiener Fall mutmaßt Leinzinger, dass der Mann ein offenes Druckbrandgeschwür hatte, das die Fliegen angezogen hat. Durch die Hitze in den vergangenen Tagen dürfte der Befall begünstigt worden sein. "Die Tiere mögen es warm und feucht", sagte der Vorstand der Grazer Gerichtsmedizin.

Im Fall des Wieners dürfte es sich um schwere Pflegevernachlässigung gehandelt haben, so Leinzinger.
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