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MO | 13.02.2012
Jugendliche trinken Alkohol (Bild: ORF)
CHRONIK
Zahl der alkoholisierten Jugendlichen steigt
Jeder vierte Patient mit einer Alkoholvergiftung ist ein Jugendlicher. In der Steiermark nimmt die Zahl der alkoholisierten Jugendlichen seit zehn Jahren kontinuierlich zu. Jugendliche sehen Alkohol oft als vermeintlichen Problemlöser.
Alkoholisierte Mädchen nehmen zu
Bis zu 240 Jugendliche werden pro Jahr mit einer Alkoholvergiftung in die Grazer Kinderklinik eingeliefert. In der Regel sind es eher Burschen, doch vor allem bei den unter 14-Jährigen holen die Mädchen zunehmend auf.
Bei rund 60 Prozent ist der Alkoholmissbrauch nicht beabsichtigt.
Arbeitslosigkeit, Sucht, Familienstreit
Die Gründe, warum sich Kinder und Jugendliche bis zur Besinnungslosigkeit trinken, sind vielfältig, sagt Claudia Kahr von der Suchtpräventionsstelle Vivid.

"Wir können davon ausgehen, dass bei rund 60 Prozent der Jugendlichen diese Vergiftung nicht beabsichtigt ist. Bei einem Drittel der Jugendlichen stehen psychosoziale Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten im Elternhaus oder auch Suchterkrankungen der Eltern selbst im Hintergrund", so Kahr.
Endstation Krankenhaus
Bei derartigen Problemen verwenden Jugendliche Alkohol häufig als vermeintlichen Problemlöser; die dritte und kleinste Gruppe mit acht Prozent legt es darauf an, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, so Kahr.
Einmal pro Woche Schnaps
Getrunken wird vor allem Hochprozentiges: Ein Viertel der Jugendlichen konsumiert laut einer internationalen Studie mindestens einmal pro Woche Schnaps. "Jugendliche vertragen Alkohol schlechter, sie sind eher in Gefahr, dass sie eingeliefert werden müssen", sagt der Vorstand der Grazer Kinderklinik Wilhelm Müller.
"Ich habe noch nie Vorschläge von Seiten des Bundes gehört", so Müller.
Müller: Politik sieht tatenlos zu
Seit über zehn Jahren weise er darauf hin, dass der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen immer weiter steigt. Er ist empört über die Tatenlosigkeit der Politik: "Ich möchte endlich einmal Vorschläge von Seiten des Bundes, des Gesundheitsministeriums bekommen, was können wir dagegen tun. Ich habe noch nie einen Vorschlag gehört", so Müller.
Prävention bereits im Kindergarten
Aus seiner Sicht sei schon im frühesten Kindheitsalter anzusetzen. "Ich halte die Kindergartenpädagogik für ganz entscheidend, dass man bereits im Kindergartenalter auf Suchtprävention hinarbeitet", sagt Müller.
Ein Ende der Happy Hour
Suchtexpertin Kahr setzt ebenfalls auf mehr Informationen, um den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen einzudämmen. Sie ist auch für Werbeeinschränkungen für alkoholische Getränke und ein Verbot von Happy Hours mit hochprozentigem Alkohol.
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