Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Homosexualität (Bild: APA)
GRAZ
Keine Homoehe in Trausaal: Rücker enttäuscht
Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) hat am Montag bekanntgegeben, dass der Trauungssaal im Rathaus für homosexuelle Paare geschlossen bleibt. Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) zeigte sich enttäuscht.
Auch die SPÖ will den Trauungssaal für Homosexuelle öffnen.
Rücker: "Schlag ins Gesicht"
Rücker, die selbst offen lesbisch lebt, sagte am Dienstag: "Dass eine feierliche Zeremonie nicht möglich ist, ist für mich ein Schlag ins Gesicht." Auch der Grazer SPÖ-Chef und Stadtrat Wolfgang Riedler forderte eine Öffnung des Trauungssaals.
"Nagl hätte sich einfach in Pläne anderer Städte einreihen können", meint Rücker.
Rücker nicht überrascht
Vizebürgermeisterin Rücker versicherte indes, dass das Thema für sie noch nicht abgeschlossen sei. Sie sei aber nicht überrascht gewesen, dass Nagl den Trauungssaal nicht öffnen will: "Es war für ihn eine große Sache, überhaupt das Rathaus mit dem Mediacenter bereitzustellen."

Nagl habe damit den Unmut einiger erzkonservativen Parteimitglieder auf sich gezogen, dabei hätte er sich einfach in die Pläne der anderen Landeshauptstädte einreihen können, meinte die Vizebürgermeisterin. "Wir wussten um die schwierige innerparteiliche Diskussion in der ÖVP um den Trauungssaal, dieser Kompromiss bleibt aber weit hinter den Minimalerwartungen zurück", so Rücker.

In Städten wie Wien, Linz und Salzburg ist eine Zeremonie auch in feierlichem Rahmen wie etwa im Schloss Mirabell möglich.
Keine externe Eintragungen wie im Schloss Eggenberg.
"Nagl duldet Zeremonie offenbar nicht"
Was sie persönlich aber schon treffe, sei die Tatsache, dass ihr Regierungspartner die Zeremonie - auch im Mediacenter - offenbar nicht dulde und auch externe Eintragungen wie etwa im Schloss Eggenberg nicht möglich seien.
Rücker: Säle lediglich zu Bezirksverwaltungsräumen erklärt werden.
"Ich würde keine Eintragung in Graz machen"
Nagl müsste dazu lediglich Säle zu Bezirksverwaltungsräumen erklären, dann könnte ein Beamter dort die Eintragung vornehmen, meinte Rücker: "Unter den momentanen Bedingungen würde ich keine Eintragung in Graz machen." Ob sie selbst mit ihrer langjährigen Partnerin den Schritt wagen werde, bleibe aber Privatsache.
Schloss Eggenberg stünde offen
Seitens des Universalmuseums Joanneum, Verwalter des Schlosses Eggenberg, hieß es am Dienstag, dass das Angebot für eine zeremonielle Abwicklung in dem Barockbau nach wie vor stehe. Man hoffe, dass sich in der Sache noch etwas tue, so Sprecherin Sabine Bergmann.
Generelle Kritik an Homopartnerschaft
In einer Aussendung übte Rücker Dienstagnachmittag auch Kritik an der eingetragenen Partnerschaft an sich. Viele Bestimmungen würden darauf abzielen, homosexuellen Paaren jeglichen familiären Kontext abzusprechen.

So sei zum Beispiel der Umstand, dass der "Familienname" bei lesbischen und schwulen Paare nur "Nachname" heißen dürfe, verfassungswidrig. Es sei außerdem diskriminierend, dass eine Stiefkindadoption verboten sei und ein Familiennachzug für Kinder des Partners im Fremdenrecht ebenfalls nicht vorgesehen ist.
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