Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Hände eines homosexuellen Paares (Bild: ORF)
GRAZ
Trauungssaal für Homopartnerschaft tabu
Der Trauungssaal des Grazer Rathauses darf nicht dazu benutzt werden, eingetragene Partnerschaften von homosexuellen Paaren zu schließen, teilte Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) am Montag mit. Heftige Kritik kommt von der SPÖ.
Interessenorganisationen hatten gefordert, den Trauungssaal nutzen zu können.
Absage an Interessensorganisationen
Nach wochenlangen Gesprächen ist es nun fix: Bürgermeister Nagl gab am Montag per Aussendung bekannt, dass zwar das Mediacenter im Rathaus als Rahmen für die eingetragene Partnerschaft geöffnet werden wird, nicht jedoch der Trauungssaal. Das war zuletzt von Vertretern gleichgeschlechtlicher Interessenorganisationen gefordert worden.
"Traurig, dass das nicht möglich ist"
Kurt Zernig, Vorsitzender der "Rosalila PantherInnen", erklärte dazu: "Es ist traurig, dass eine Schließung einer eingetragenen Partnerschaft in einer Menschenrechtsstadt mit grüner Regierungsbeteiligung nicht möglich ist." Zernig spielte damit darauf an, dass sich die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker offen dazu bekennt, lesbisch zu sein.
Trauungssaal der Eheschließung vorbehalten
Nagl begründete die Entscheidung damit, dass der Trauungssaal - "wie der Name sagt"- ein Trauungssaal sei und damit der Eheschließung vorbehalten bleibe. Mit dem Zugang zum Mediacenter im Rathaus will er Lesben und Schwulen eine Alternative zum nahen Amtshaus in der Schmiedgasse bieten.
Zernig befürwortete, dass die Tür zum Rathaus nicht völlig verschlossen bleibe.
Genauer Ablauf noch unklar
Zernig befürwortete zwar, dass die Tür zum Rathaus zumindest nicht völlig verschlossen bleibe. Unklar sei jedoch noch, welche Teile der Eintragung letztlich im Mediacenter vorgenommen werden können. Handle es sich nur um die Übergabe der unterzeichneten Papiere, so sei das nicht weitreichend. Er wünsche sich, dass zwei Partner im Rathaus die Urkunde unterzeichnen können und der Beamte dies vor den Gästen beglaubigt.
Auch Kostenfrage noch nicht geklärt
Ebenfalls noch nicht geklärt seien laut Zernig die Kosten: Das Mediacenter sei für jeden einzelnen Bürger buchbar. Müssten homosexuelle Paare dieselben Kosten auch für die Eintragung zahlen, während sich heterosexuelle Eheschließungen quasi zum Nulltarif im Trauungssaal trauen, sei das diskriminierend.
Um das Schloss für die Eintragung von Partnerschaften zu öffnen, fehlt die politische Bewilligung.
Schloss Eggenberg soll geöffnet werden
Am Montag stand ebenfalls noch eine Entscheidung in punkto Schloss Eggenberg aus. Dieses will der Verwalter, das Universalmuseum Joanneum, für die Eintragung von Partnerschaften öffnen.

Gabriela Filzwieser vom "Joanneum to rent" erklärte, dass die politische Bewilligung noch fehle. Zernig meinte, dass externe Lokalitäten formal einfach zu Amtsräumen erklärt werden müssten, damit Lesben und Schwule sich zum Beispiel im Planetensaal des Schloss Eggenberg eintragen lassen können. Dazu sei aber wiederum der politische Wille notwendig.
"Das ist eine unwürdige Posse", so Riedler.
SPÖ will Trauungssaal für alle öffnen
Als "unwürdige Posse" bezeichnete der Grazer SPÖ-Chef Wolfgang Riedler Nagls Weigerung, den Trauungssaal für die Eintragung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu öffnen. "Der Trauungssaal muss auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden", so Riedler.

Er kritisiert zudem, dass für die Nutzung des Mediacenters eine "beträchtliche Miete" anfalle, während der Trauungssaal für Eheschließungen "quasi kostenfrei" zu haben sei.
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