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MI | 11.04.2012
Schülerin mit Kopftuch (Bild: ORF)
CHRONIK
Muslimin attackiert: Schülerinnen suspendiert
Nach der Attacke auf ein muslimisches Mädchen in der Caritas-Schule in Graz werden die zwei beschuldigten Schülerinnen der Schule verwiesen. Die beiden hatten vergangene Woche das Kopftuch der 15-Jährigen angezündet.
Das Mädchen wagte es nicht, den Vorfall zu melden.
Kopftuch angezündet
Der Vorfall ereignete sich bei einem Ausflug: Die beiden Mitschülerinnen zündeten das Kopftuch der praktizierenden Muslimin an. Verletzt wurde das Mädchen nicht - es trug zum Glück kein leicht entflammbares Kunstfaserkopftuch. Trotz des Angriffs wagte es die 15-Jährige nicht, den Lehrern davon zu erzählen. Erst am nächsten Tag informierte die Mutter die Schuldirektion.
Die Direktorin führte Einzelgespräche.
Mutter kritisierte Schuldirektion
Die Mutter, die ihre Tochter aus der Oststeiermark in die multikulturelle Caritas-Schule in Graz schickt, ist empört. Die Schuldirektion habe nicht ausreichend reagiert, sagte Sieglinde Bazina, die Mutter des angegriffenen Mädchens. "Die Direktion hat nur mit den Mädchen einzeln gesprochen - und das hat mir nicht gereicht", so die Mutter.
Gespräche verschlimmerten die Situation
Die Situation habe sich für ihre Tochter noch verschlimmert, so Bazina: "Meine Tochter wurde danach noch mehr belästigt." Sie habe sich von der Direktion erwartet, dass die Mädchen mit der Sache konfrontiert würden und damit die Sache geklärt wäre, betonte die Mutter.
Die Direktorin bedauert den Vorfall.
Direktorin: "Keine religiösen Motive"
Direktorin Evelyn Awad bedauerte den Vorfall, ist aber überzeugt, dass keine religiösen Motive hinter dem Vorfall stehen. "Wir haben Kinder aus Migrantenfamilien und aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Daher ist es so, dass wir das nicht sofort den Behörden melden, sondern zuerst versuchen, die Sache zu lösen", so Awad.
Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ermittelt.
Mutter erstattete Anzeige
Die Mutter des betroffenen Mädchens kann die Haltung der Direktorin nicht nachvollziehen und erstattete nun Anzeige: "Die Direktorin hat sich so ausgedrückt, dass man die Mädchen auch verstehen müsse. Man müsse auch die andere Seite sehen."

Jetzt ermittelt das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, um das Motiv der Tat herauszufinden.
"Das Ziel der Einsicht konnte nicht erreicht werden."
Schulverweis, da keine Entschuldigung
Am Mittwoch wurde beschlossen, dass die beiden beschuldigten Schülerinnen der Schule verwiesen werden. Grund ist laut Caritas, dass sich die Schülerinnen geweigert hatten, sich bei dem Mädchen zu entschuldigen.

"Die beiden Täterinnen wollten sich bei ihrer Mitschülerin vor der versammelten Klasse entschuldigen, sie haben dies aber nicht getan. Da das Ziel der Einsicht nicht erreicht werden konnte, blieb mir als letzte Konsequenz nur der Schulverweis", so Awad.
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