Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Friedhof (Bild: Fotolia/Peter Vogel)
SOZIALES
Mehr Selbstmorde als Verkehrsopfer
In der Steiermark sind im Vorjahr mehr Menschen durch Selbstmord als im Straßenverkehr gestorben: 240 Selbstmorden stehen 109 Verkehrstote gegenüber. Ein Viertel der Selbstmorde wurde in der Altersgruppe Zehn bis 45 verübt.
Über ein Viertel der Selbstmörder war jünger als 45 Jahre.
Häufigste Todesursache bei jungen Menschen
Bei den jungen Menschen gilt Selbstmord mittlerweile als häufigste Todesursache: 67 Menschen zwischen zehn und 45 Jahren verübten im Vorjahr Selbstmord - mehr als ein Viertel der insgesamt 240 Selbstmorde in der Steiermark, so Landesstatistiker Martin Mayer.

Sehr oft spielt die Pubertät eine große Rolle, sagt Peter Hofmann, stellvertretender Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie in Graz: "Wo es schlagartig zu dramatischen Umstellungen zum Beispiel im Hormonhaushalt kommt, wo es auch zu tiefgreifenden Kränkungen kommen kann - Stichwort Partnersuche, Enttäuschtwerden und Ähnliches. Was in der Jugend fehlt, sind die Fertigkeiten, die wir im Laufe unseres Lebens lernen, nämlich mit Rückschlägen, Niederlagen und Frustrationen umzugehen."

"Zu wenig Perspektiven"
Ein zusätzliches Phänomen, das der Experte seit einigen Jahren beobachtet, ist das Suchtverhalten von jungen Menschen: Jugendliche würden häufiger als früher zum Missbrauch von Alkohol und Drogen neigen, so Hofmann; dazu kommt oft hoher gesellschaftspolitischer Druck und das Fehlen von Lebenszielen.
"Wir haben wie schon lange nicht mehr menschheitsgeschichtlich unseren Jugendlichen wenig an Perspektive anzubieten", sagt Hofmann.
Der Soziologe ortet Nachholbedarf, was das Beratungs- und Betreuungsangebot angeht.
"Beziehungen sind nicht mehr so eng"
Der Soziologe Carlos Watzka bringt die hohe Selbstmordrate bei jungen Menschen mit den veränderten gesellschaftlichen Strukturen in Verbindung, "wo eben die Beziehungen nicht mehr so eng sind - weder innerhalb der Familie noch Nachbarschaftsbeziehungen, Freundeskreise sind auch nicht mehr so fest wie vor einigen Jahren."

Auch wenn in den vergangenen Jahren bereits viele Initiativen gesetzt wurden, ortet der Soziologe Nachholbedarf, was das Beratungs- und Betreuungsangebot für suizidgefährdete Jugendliche betrifft: So hofft Watzka zum Beispiel auf eine 24 Stunden-Krisenhotline.
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