Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Wasserkraftwerk (Bild: ORF)
UMMWELT
WWF warnt vor neuen Flusskraftwerken
Der WWF warnt davor, dass durch die massiven Ausbaupläne für Wasserkraftwerke unberührte Flussgebiete in Gefahr seien. Der WWF tritt für eine stärkere Verankerung der Naturschutzrechte bei Kraftwerksbauten ein.
"Sie erzeugen keine Abgase, das ist das einzig Positive."
Zerstörung von Flussläufen und Fischsterben
Wasserkraftwerke verursachen bei der Stromerzeugung keine Abgase - das ist aber auch der einzige positive Aspekt, den der WWF dieser Art von Energieerzeugung abgewinnen kann.

Vielmehr seien Wasserkraftwerke in biologischer und ökologischer Hinsicht bedenklich - sie zerstören Flussläufe und Aulandschaften und bringen den Fischbestand um. So sei etwa im Raum Graz der weltweit seltene Huchen akut gefährdet.
Der WFF will eine Petition in den Nationalrat einbringen.
"Flüsse gehören nicht nur der E-Wirtschaft"
Der WWF warnt davor, die Zukunft unsere Fließgewässer allein dem Rechenstift der E-Wirtschaft zu überlassen.

Andreas Wurzer, Naturschutzexperte und stellvertretender Geschäftsführer des WWF Österreich, betont: "Die Mur, die Enns oder die Sulm sind mit die schönsten Flussstrecken, die wir in Österreich noch haben, und die sollen jetzt durch die Wasserkraft verbaut werden. Diese wertvollen Flussstrecken müssen gesichert werden, weil sie nicht nur der E-Wirtschaft gehören, sondern auch der Wasserwirtschaft, der Trinkwasserversorgung, dem Hochwasserschutz, der Erholungsnutzung, und dafür werden wir im Herbst eine Petition in den Nationalrat einbringen."
20 Großkraftwerke allein in Steiermark
In der Steiermark seien laut WWF derzeit rund 20 Großkraftwerke und 400 bis 500 Kleinwasserkraftwerke geplant - allein an der Mur seien fünf Großkraftwerke in Planung. Was die geplanten Murkraftwerke südlich von Graz in Gössendorf und Kalsdorf betrifft, macht der WWF derzeit alle gesetzlich möglichen Einsprüche auf EU-Ebene geltend.
Das Wasserkraftwerk soll Strom für 20.000 Haushalte liefern.
Umstrittenes Kraftwerk in Puntigam
Derzeit sorgt vor allem das von der Energie Steiermark und Verbund geplante neue Mur-Wasserkraftwerk in Graz-Puntigam für heftige Diskussionen. Laut Energie Steiermark soll das Kraftwerk 85 Millionen Euro kosten und sauberen Strom für rund 20.000 Haushalte liefern. Fällt die Umweltverträglichkeitsprüfung positiv aus, soll im Herbst 2013 Baubeginn sein.
Mur wird bis Innenstadt aufgestaut
Dafür müsste die Mur von Puntigam bis in die Grazer Innenstadt aufgestaut werden - der Wasserpegel würde um rund sechs Meter steigen. Das werde neue Nutzungsmöglichkeiten am und im Fluss eröffnen, sagen die Projekt-Befürworter.
Grüne sprechen von "umweltpolitischem Wahnsinn".
Heftiger Widerstand - Nagl sucht Konsens
Der WWF und die Grazer Grünen lehnen das Projekt allerdings ab, die Grünen bezeichnen es sogar als "umweltpolitischen Wahnsinn". Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) strebt nun einen Konsens mit den Naturschützern an.

Grundsätzlich ist er aber für das Projekt: "Wir haben immer die Debatten wo der Strom herkommen soll und wie abhängig wir sind. Ich glaube, dass keiner in Graz auf das Putin-Gas über neue Pipelines über die Türkei setzt."
Plattform für gesetzlich verbindlichen Schutz
Um den "drohenden totalen Ausbau der letzten natürlichen Flüsse und Bäche" zu verhindern, haben sich nun einige Naturschutzorganisitionen - neben dem WWF beispielsweise auch der Naturschutzbund, die Naturfreunde oder der Fischereiverband - zur Plattform "Flüsse voller Leben" zusammengeschlossen. Sie wollen, dass der Schutz der Flüsse gesetzlich stärker verankert wird.
"Statt neue Flusskraftwerke zu bauen, sollten die alten modernisiert werden."
WFF plädiert für erneuerbare Energien
Als Alternative für den weiteren Ausbau der Wasserkraft empfiehlt der WWF neben Maßnahmen zum Energiesparen den stärkeren Einsatz von Biomasse, Windkraft und Solarenergie.

Außerdem könnte man allein nur durch Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke um so viel Energie mehr erzeugen, wie 18 Mur-Kraftwerke erzeugen würden - nämlich eine Million Megawattstunden im Jahr.
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