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MI | 11.04.2012
Zug (Bild: ORF)
Umwelttagung in Graz
Schienenlärm lästiger als Straßenlärm?
Bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Hygiene, Umwelt- und Präventivmedizin in Graz sind die Teilnehmer zu einem überraschenden Ergebnis in Sachen Lärm gekommen. Demnach soll Schienenlärm gesundheitlich schlechter sein als Straßenlärm.
Lärm als neuer Schadstoff der Zukunft
Der Leiter der Tagung und Vorstand des Hygieneinstitutes an der Medizinischen Universität Graz, Egon Marth, bezeichnete bei der Tagung Lärm als neuen Schadstoffs des neuen Jahrzehntes. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Belastung durch Umgebungsgeräusche forderte der Experte mehr Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung.
Züge dürfen um fünf Dezibel lauter sein als Straßenfahrzeuge.
Schiene versus Straße
Nachdem der Schienenverkehr in Zukunft zunehmen werde, seien die Auswirkungen auf die betroffenen Menschen besonders zu bedenken. Marth stellte den so genannten Schienenbonus infrage - dieser erlaubt Zügen, um fünf Dezibel lauter zu sein als Straßenfahrzeuge. Daher darf der durchschnittliche Lärm von Schienen im Wohnbereich 50 Dezibel betragen, jener von Motorrädern, Autos und Lkw lediglich 45 Dezibel.
Schienengeräusche sind lästiger
Mit einer neuen Methode zur Erforschung von Lärm konnte ein Team mit Experten aus fünf verschiedenen Instituten feststellen, dass Schienengeräusche in höheren Schallpegeln "lästiger" und damit gesundheitlich schlechter sind, als Straßenlärm derselben Lautstärke, so Reinhard Raggam vom Institut für Umweltmedizin an der Grazer Medizin-Universität.
Lauter als ein Lkw
Der Schienenlärm geht laut dem Experten nicht so gleichmäßig dahin wie Straßenverkehrslärm, sondern hat Spitzenpegel, die bis zu 92 Dezibel entsprechen können - das ist deutlich lauter als ein Lkw.
Quietschen der Schienen stresst mehr als Straßenlärm.
Lärm ist nicht gleich Lärm
Diese Lautstärke ist schon nach wenigen Minuten gesundheitsgefährdend. Der Grund ist laut den Experten einfach zu erklären: "Lärm ist nicht gleich Lärm. Das Quietschen von Schienen wird von Personen lästiger empfunden als die Geräusche einer Straße. Daher stresst dieser mehr", so die Experten. Der Stress führe zu Bluthochdruck und eher zu einem Herzinfarkt.
Konzentrationsstörungen durch kürzere Schlafphasen.
Schlafraubender Schienenlärm
Besonders folgenschwer ist Schienenlärm laut Experten in den Nachtstunden. Es kommt verstärkt zu Aufwach- und verkürzten Dauerschlafphasen. Die Folge sind Konzentrationsstörungen und Müdigkeit am Tag.
Was finden Sie störender: Schienen- oder Straßenlärm?
53.4 % Schienenlärm
46.6 % Straßenlärm
Vollausbau der Koralmbahn bringt 400 Vorbeifahrten pro Tag.
Koralmbahn: ein Zug alle drei Minuten
Der Ausbau der Schiene sei zwar aus umweltpolitischer Sicht zu begrüßen, aber die Auswirkungen auf die Bevölkerung müssten besser berücksichtigt werden, so die Experten. Wenn etwa die Koralmbahn voll ausgebaut ist, würden etwa 400 Vorbeifahrten pro Tag entstehen. Das entspricht einer Frequenz von einem Zug alle drei Minuten.
Mehr Lärmschutzwände und bessere Technik
Die einzig mögliche Lösung sehen Experten darin, vermehrt Lärmschutzwände und Schallschutzfenster zu errichten sowie die Züge mit einer verbesserten Technik auszustatten.
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