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MI | 11.04.2012
Feuerbrand. (Bild: ORF)
Land Steiermark
Freigabe für Antibiotikum gegen Feuerbrand
Bisher war das Wetter zu kühl und eine Feuerbrandinfektion für Apfelbäume nicht möglich, die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. Das Land hat daher am Donnerstag das Antibiotikum Streptomycin freigegeben.
In Vorarlberg und dem Burgenland ist Streptomycin bereits für den Einsatz freigegeben
Feuerbrand-Gefahr durch warmes Wetter groß
Nach den Bundesländern Vorarlberg und Burgenland hat nun auch der Feuerbrand-Warndienst des Landes Steiermark grünes Licht für Streptomycin gegeben, denn aufgrund der warmen Temperaturen besteht in den nächsten Tagen die Gefahr für mittlere und schwere Infektionen.
"Wir hoffen, dass wir das Streptomycin nicht einsetzen müssen."
"Freigabe ist nicht gleich Einsatz"
Freigabe heiße aber nicht gleich Einsatz, sagt der Obmann der steirischen Erwerbsobstbauern, Lorenz Spielhofer:

"Man hat das bei den Birnen gesehen, dort ist auch eine Freigabe erfolgt, aber es waren dann die Witterungsbedingungen nicht so günstig für das Bakterium, sodass man es nicht einsetzen musste. Das ist auch unser Hoffnungsschimmer beim Apfel. Wir hoffen, dass sich die Witterung nicht so entwickelt, dass wir es einsetzen müssen, wir können es aber nicht ausschließen".
Das warme Wetter erhöht die Feuerbrand-Gefahr.
Bis zu 15 Prozent der Bäume sind gefährdet
In sehr späten Lagen blühen die Obstbäume derzeit oder befinden sich in einer Nachblütephase. Aufgrund der warmen Witterung ist die potenzielle Feuerbrandgefahr hoch. Gefährdet sind laut Spielhofer noch etwa zehn bis 15 Prozent der Apfelkulturen.
Apfelbauern entscheiden über Einsatz selbst
Jeder Apfelbauer kann selbst entscheiden, ob er das Antibiotikum spritzt oder nicht. 700 der 1.500 steirischen Obstbauern haben das Mittel Streptomycin bereits vor Wochen beantragt und gelagert.
"Keine Auswirkungen auf die Früchte."
Einsatz muss beim Land gemeldet werden
Falls das Mittel eingesetzt wird, muss das beim Land gemeldet werden. Es gebe strenge Auflagen und Kontrollen, so Spielhofer: "Mit dem Einsatz beginnt seitens der AMA ein Rückstandsmonitoring. Das heißt, es werden Blattkontrollen gezogen. Es wird zusätzlich eine Risikobewertung gemacht und stichprobenweise Honig kontrolliert. Das wird alles mit dem Ersteinsatz zum Laufen beginnen".

Selbst wenn das Mittel eingesetzt werde, betont Spielhofer, habe es keine Auswirkung auf die Früchte.
Infektionsgefahr nächste Woche vorbei
Mitte nächster Woche werden, nach Einschätzung der Experten, alle Apfelbäume abgeblüht sein, dann ist auch die Infektionsgefahr für den Feuerbrand vorüber.
Bauern sollen sich finanzielle Unterstützung für alternative Bekämpfungsmittel beim Umweltminister holen, so die Grünen.
Grüne kritisieren Streptomycin-Einsatz
Scharfe Kritik kommt von den Grünen: Anstatt sich von Umweltminister Josef Pröll (ÖVP) eine finanzielle Unterstützung für den Einsatz von alternativen Feuerbrand-Bekämpfungsmitteln zu holen, würden die Obstbaufunktionäre auf Streptomycin setzen, kritisiert der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber.
"Agieren der AMA eine Farce"
Als Farce sieht Pirklhuber das Agieren der AMA, die den Äpfeln das Gütesiegel trotz Streptomycin-Einsatz verleihen will, wenn keine Rückstände im Obst sind. Dieser Nachweis sei nach der Ernte nicht möglich, so die Grünen.
Laut der Umweltorganisation Global 2000 mache Streptomycin den Menschen resistent gegen Krankheitserreger.
Global 2000 kritisiert Antibiotika-Freigabe
Scharfe Kritik übt die Umweltorganisation Global 2000 an der Freigabe des Antibiotikums Streptomycin in der Steiermark.

"Streptomycin ist ein Antibiotikum, das beim Menschen zur Behandlung von Tuberkulose gebraucht wird. Durch die missbräuchliche Anwendung von Streptomycin im Obstbau drohen immer mehr Krankheitserreger des Menschen resistent zu werden", hieß es in einer Aussendung.
EU habe Streptomycin-Einsatz verboten
Die EU habe laut der Umweltorganisation auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Einsatz von Streptomycin im Obstbau bereits verboten. Dass die steirischen Obstbauern trotz des EU-weit bestehenden Verbots dennoch Streptomycin einsetzen können, werde durch ein gesetzliches Schlupfloch im österreichischen Pflanzenschutzmittelgesetz ermöglicht.
Antibiotika-Rückstände sind im Honig nachweisbar.
Imker fürchten Imageschaden
Die steirischen Bienenzüchter fürchten nun einen Imageschaden durch das Spritzen von Streptomycin, denn Antibiotika-Rückstände sind im Honig nachweisbar. Die Imker haben deshalb schon vor längerer Zeit Vorbereitungen getroffen und ein Worst-Case-Szenario entwickelt.
"Honig mit Rückständen wird nicht verkauft"
Ein eigenes Monitoring von Landesregierung und Imkerorganisationen wurde eingerichtet, wo alle Bienenstände in den betroffenen Obstbauregionen erhoben werden. Wird gespritzt, dann werde berechnet wie viele Bienenstände sich in der Region befinden und wie viele Honigproben gezogen werden müssen. Der Honig aus den betroffenen Gebieten wird untersucht. Können Antibiotika-Rückstände nachgewiesen werden, wird der Honig aus dem Verkehr gezogen.
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