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MI | 11.04.2012
Hooligans in Kapfenberg (Bild: ORF.at)
Hooligans in Kapfenberg
Polizei: "Gezielter Angriff auf Exekutive"
Rund 270 Hooligans demolierten am Samstag nach dem Spiel Dinamo-Zagreb gegen Rapid Wien in Kapfenberg den Stadionvorplatz, Vorgärten und Teile einer Siedlung. Die Polizei spricht von einem gezielten Angriff.
"Bad Blue Boys" stürmten aus Stadion
Österreich erlebte am Samstagabend einen üblen Vorgeschmack auf das, was bei der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr droht: In der 85. Spielminute stürmten plötzlich 250 gewaltbereite kroatische Fans von den „Bad Blue Boys“ aus dem Stadion, hieß es im Polizeibericht.
Steine, Flaschen und Latten flogen
Sofort starteten sie einen massiven organisierten Angriff auf die Einsatzkräfte: Steine, Fahrräder, Flaschen, ausgerissene Pflastersteine, Holzpflöcke und Zaunlatten flogen in Richtung Polizisten. Die Hooligans schlugen und traten auf alles ein, was sich ihnen in den Weg stellte.
Hooligans in Kapfenberg (Bild: ORF.at)
Mehr als 30 Verletzte
Die Bilanz der Ausschreitungen: Mehr als 30 leicht Verletzte, der Großteil Polizisten, aber auch Anrainer waren betroffen. Neun Personen wurden festgenommen. Sie sind in U-Haft.
Ein Anrainer: "Wir haben alles verbarrikadiert und geschaut, dass wir retten, was zu retten ist".
Anrainer verbarrikadierten sich
Der Bezirksrettungskommandant Gerhard Gmeinbauer sagte, es sei den gut vorbereiteten Polizisten zu verdanken, dass nicht noch mehr passiert ist. Demnach schützte die Polizei die Rot-Kreuz-Sanitäter vor Fan-Attacken. Dennoch wurden auch Anrainer verletzt und Vorgärten beschädigt. Der Kapfenberger Jörg Weber schilderte am Samstag gegenüber dem ORF Steiermark:

"Wir haben selber zwei Hunde. Da wollten wir unser Hab und Gut ein bisschen beschützen. Aber wir haben absolut keine Chance gehabt. Die haben mit den abgerissenen Zaunlatten auf uns eingeschlagen. Einen Kübel haben sie angezündet, mit Steinen geworfen. Also wir haben alles verbarrikadiert, Fenster zugemacht, Rollos heruntergelassen und geschaut, dass wir retten was zu retten ist", so der Anrainer.
Menschenkette, um Steine heranzuholen
Die 250 kroatischen Hooligans, denen sich laut Polizei 20 Rapid-Ultras angeschlossen hatten, bildeten sogar eine Menschenkette zum Mürz-Ufer, um von dort möglichst rasch Steine zu holen.
Die Polizei hofft, weitere Übeltäter ausforschen zu können, die Übergriffe wurden gefilmt.
"Gezielter Angriff auf Exekutive"
Den fünf festgenommenen Kroaten und vier festgenommenen Österreichern wird das Delikt "Landfriedensbruch" vorgeworfen. Sie bleiben in Haft, sagte der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant Herbert Kremnitzer:

"Es gibt mittlerweile einen Auftrag der Staatsanwaltschaft Leoben, alle neun festgenommenen Personen in die Untersuchungshaft einzuliefern. Erfreulicherweise ist einer der Festgenommenen, ein Kroate, einer der Rädelsführer, die organisiert gegen die Polizei vorgegangen sind."

Kremnitzer sieht in den Ausschreitungen eine neue Form der Gewalt: "Weil das ein gezielter Angriff auf die Exekutive war. Das war keine Fehde zwischen rivalisierenden Fans. Rund 250 Zagreb Fans sind auf die Exekutive losgegangen, 20 bis 30 Rapidfans haben sich dann mit diesen verbündet und sind gemeinsam gegen die Exekutive vorgegangen", so der Polizeikommandant.

Die Polizei hofft, weitere Übeltäter ausforschen zu können. Zwei Polizisten haben die Ausschreitungen gefilmt.
Dinamo-Präsident: "Eine Art Terrorismus"
Der Präsident von Dinamo, Mirko Barisitsch, sprach am Samstag von einer Art Fußball-Terrorismus: "Ich bin sehr sehr enttäuscht, das ist ein Modell von Terrorismus, das ein großes Problem für mich ist, nicht nur für den Fußballklub, das ist ein Problem für die Gesellschaft, und wir müssen etwas tun, wenn wir Ruhe haben wollen, wenn wir über Fußballspiele reden", so der Dinamo-Präsident.
Weitere Spiele abgesagt
Die Organisatoren des "International Football Camp Styria" (IFCS), in dessen Rahmen das Spiel stattgefunden hatte, sagten aus Sicherheitsgründen einvernehmlich mit dem kroatischen Fußballverein alle weiteren Testspiele mit Dinamo Zagreb ab. Wie Andreas Neubauer vom IFCS meinte, seien auch die mitangereisten Vorstandsmitglieder von Dinamo Zagreb über die Vorfälle geschockt gewesen und hätten gemeint, weitere Spiele seien nicht verantwortbar. "Es war ein Risikospiel, das war bekannt. Es hat die höchste Sicherheitsstufe gegeben", so der IFCS-Sprecher. "Angefangen hat ja alles damit, dass es unter den kroatischen Rowdys umgegangen ist." Auch Fahrzeuge von Dinamo Zagreb seien beschädigt worden.

Der Verein hätte am Sonntag gegen Kapfenberg, am 4. Juli gegen Kaiserslauten und am 7. Juli gegen den FC Kopenhagen antreten sollen. "Wir hoffen, dass so etwas nun nicht mehr vorkommt und wir so schnell wie möglich Ersatzgegner finden, entweder internationale oder österreichische Vereine", so Neubauer.
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