Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Kind schreibt in Schulheft (Bild: APA)
Mutter sperrte Töchter ein
Kaum Kontrollen für Heimunterricht
Ein Grund, warum der Fall jener Oberösterreicherin, die ihre Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschottet hat, so lange unbemerkt blieb, dürfte der Heimunterreicht sein. Für diesen sind kaum Kontrollen vorgesehen.
"Keine Anzeichen für schlechte Versorgung"
"Bis zuletzt habe es keine Anzeichen auf eine schlechte Versorgung gegeben", heißt es jetzt vom zuständigen Bezirksschulrat in Oberösterreich. Außerdem seien die Kinder sehr wohl zur Schule gegangen.
Viele Fehlstunden
Einen Antrag der Mutter, sie ausschließlich zu Hause zu unterrichten, habe es nie gegeben. Allerdings hätten sie viele Fehlstunden gehabt, die Prüfungen hätten sie aber immer bestanden. Auch an Schulveranstaltungen haben die Mädchen teilgenommen, so der Bezirksschulrat.
Kritik an den Schulbehörden
Die Situation scheint nicht ganz so dramatisch gewesen zu sein, wie ursprünglich berichtet. Fest steht aber, dass die Kinder in psychologischer Betreuung sind und sie 2005 von ihrer Mutter getrennt wurden. Kritik wird jetzt an den Behörden laut, die erst nach sieben Jahren reagiert haben sollen.
"Sozialarbeiter können sofort einschreiten"
An sich können Sozialarbeiter in Ausnahmesituationen sofort einschreiten, sagt Angelika Schaunigg von der steirischen Jugendwohlfahrt:
"Wenn so massive Vorwürfe da sind, dass man sagt das Kind ist in seiner Grundversorgung, Nahrung oder Verdacht auf Missbrauch, dann hat man auch die Möglichkeit bei Gefahr im Verzug sofort einzuschreiten und muss nicht erst einen gerichtlichen Beschluss erwirken. Man könnte das Kind sofort heraus nehmen und fremd unterbringen."
Zum Teil von ihrer Mutter unterrichtet
Die drei Mädchen in Oberösterreich wurden zum Teil von ihrer Mutter unterrichtet, weil eines der Mädchen an Schulangst gelitten haben soll.
Heimunterricht für 400 steirische Kinder
Rund 400 Kinder in Alter von sechs bis 14 Jahren werden auch in der Steiermark von zu Hause aus unterrichtet. Eltern oder andere Erziehungsberechtigte können einen dementsprechenden Antrag jederzeit beim Bezirksschulrat einbringen.
Bezirksschulrat entscheidet
Der Bezirksschulrat entscheidet dann in einem persönlichen Gespräch mit den Eltern, ob diese im Stande sind, ihre Kinder zu unterrichten. Einer Wissensprüfung werden die Eltern nicht unterzogen, auch der Nachweis für eine abgeschlossene Matura wird nur verlangt, wenn die Kinder im Oberstufenalter sind.
"Nur wenige Anträge werden abgelehnt"
Abgelehnt werden die Anträge auf häuslichen Unterricht nur selten, sagt die Landesschulinspektorin für Volksschulen, Helga Thomann.
"Das wäre nur in krassen Fällen wie zum Beispiel, wenn die Eltern der deutschen Sprache nicht mächtig wären. Wenn die Eltern niemanden nennen können, der für sie dann den Unterricht hält, muss der Bezirkschulinspektor den häuslichen Unterricht untersagen."
Einziger Nachweis: Externistenprüfung
Ob die Kinder wirklich zu Hause unterrichtet werden, wird auch nicht kontrolliert. Der einzige Nachweis, der erbracht werden muss, ist eine Externistenprüfung am Ende eines Schuljahres. Die Heimschüler werden dann an einer öffentlichen Schule über den Jahresstoff geprüft.
"Man muss die Kontrollen verstärken"
"Das einzige was passieren hätte müssen ist, dass man nachfragt, wo die Kinder die Externistenprüfung abgelegt haben. Ich hab` sofort daran gedacht, dass man die Kontrollen verstärken müsste. Das ist aber gesetzlich nicht möglich - dieser Fall zeigt, dass ein Missbrauch durchaus möglich ist", sagt die Landesschulinspektorin.
Bezirksschulrat darf nicht direkt nachsehen
Nachfragen der zuständigen Hauptschule in Oberösterreich bei der Fürsorge sollen aber unbeantwortet geblieben sein - und direkt bei der Mutter nachfragen oder nachsehen konnte der Bezirksschulrat nicht, weil es dafür keine rechtliche Basis gibt.
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