Steiermark ORF.at
MI | 11.04.2012
Andrea Herberstein (Bild: APA)
"Kein Schaden fürs Land"
Herbersteins: Haben uns nicht bereichert
Die Familie Herberstein hat eine 110-seitige Stellungnahme bei der Staatsanwaltschaft Graz eingebracht: Die Familie habe viel mehr Geld in den Betrieb eingebracht als entnommen wurde, heisst es darin. Auch die Ermittlungen wegen fahrlässiger Krida seien nicht gerechtfertigt.
Widersprüche und Fehler in Gerichtsgutachten
In der Stellungnahme des Anwalts von Andrea Herberstein, die dem ORF Steiermark vorliegt, werden Widersprüche und angebliche Fehler in einem Gerichtsgutachten aufgelistet. Die Stellungnahme umfasst 110 Seiten, ausserdem gibt es 4 Ordner voll mit Beilagen.
"Ermittlungen gegen Kinder einstellen"
Von der Schwarzgeldkassa, von Schwarzgeldzahlungen an Mitarbeiter und von umgeschriebenen Rechnungen hätten Catherine, Maximilian und Felicitas Herberstein nichts gewusst, ebenso wenig der Starbariton und Lebensgefährte von Andrea Herberstein, Thomas Hampson. Die Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft gegen alle vier seien daher einzustellen, so der Tenor der Herberstein-Stellungnahme.
"Von umgeschriebenen Rechnungen gewusst"
Gerechtfertigte Vorwürfe gebe es nur gegen den ehemaligen Gutsverwalter Heinz Boxan und gegen Andrea Herberstein, aber von umgeschriebenen Rechnungen habe auch sie außer in zwei Fällen keine Kenntnis gehabt. In den beiden Fällen geht es um knapp 22.000 Euro.
Arbeiten in Hampsons Wohnung verrechnet
Konkret wurden Arbeiten in der Wiener Wohnung von Thomas Hampson als betriebliche Ausgaben verrechnet, und ein Urlaubsanspruch des Tierparkdirektors wurde unter anderem durch einen neuen Parkettboden in seiner Wohnung abgegolten. Beides sind Steuervergehen, so die Herberstein-Stellungnahme.
"Boxan für Umschreibungen verantwortlich"
Für alle anderen Rechnungsumschreibungen - es gehe um insgesamt 30 von 17.500 Rechnungen - sei Ex-Gutsverwalter Heinz Boxan verantwortlich, der Andrea Herberstein durch seine Selbstanzeige massiv belastet. Andrea Herberstein, so die Stellungnahme, hat sich in einigen Fällen auf die falschen Leute verlassen, sie selbst habe nur geringe buchhalterische Kenntnisse.
Herberstein wusste von Schwarzgeldkassa
Eine Schwarzgeldkassa habe es schon gegeben, als Andrea Herberstein in das Unternehmen gekommen ist; sie habe dann zwar davon gewusst, die Kontrolle darüber habe aber der Gutsverwalter gehabt.
"Kein Verdacht auf fahrlässige Krida"
Jedenfalls sei das Land Steiermark insgesamt nicht geschädigt worden. Ein Bereicherungsvorsatz liege nicht vor, zumal die Familie seit 1994 mehr als zwei Millionen Euro ihres Vermögens in den Betrieb gesteckt habe. Für den Vorwurf der fahrlässigen Krida gibt es nicht einmal die Spur eines Verdachts, heißt es in der Herberstein-Stellungnahme.
"Insolvenz denkunmöglich"
Dem Land Steiermark gegenüber wurde zwar mit Liquiditätsengpässen argumentiert - wohl auch um Förderungen zu bekommen. Eine Insolvenz sei aber denkunmöglich, denn durch den Verkauf von Vermögen oder gar des ganzen Besitzes, hätten die enormen Schulden bezahlt werden können.
Boxan: Ich war nur Dienstnehmer
Der frühere Gutsverwalter Heinz Boxan sagt, er sei nur Dienstnehmer gewesen, der im Auftrag seiner Dienstherren agiert hat. Und Andrea Herberstein sei sehrwohl selbst aktiv gewesen, was die strafrechtlich relevanten Vorwürfe betrifft.
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